Ärzte Zeitung online, 22.02.2016

Wegen anhaltender Dürre

Im Süden Afrikas droht Hungersnot

Bis zu 50 Millionen Menschen sind wegen der anhaltenden Dürre im Süden Afrikas von Hunger bedroht. Millionen Kinder brauchen schon jetzt medizinische Hilfe.

Im Süden Afrikas droht Hungersnot

Die anhaltende Dürre verschärft die Hungersnot im Süden Afrikas. (c) Cinoby / iStock

JOHANNESBURG. Wegen der anhaltenden Dürre müssen am Horn von Afrika und im Süden des Kontinents Unicef zufolge nahezu eine Million Kinder wegen akuter Mangelernährung ärztlich behandelt werden.

Prognose: Zuspitzung der Lage

Das Ausmaß der Hungerkrise werde in den kommenden Monaten wegen des ausbleibenden Regenfalls noch weiter zunehmen, warnte das UN-Kinderhilfswerk am Mittwoch.

Allein in Äthiopien seien derzeit schon 435 000 Kinder betroffen, in Angola und Mosambik müssten jeweils etwa 70 000 Kinder behandelt werden.

In Malawi etwa verdoppelte sich die Zahl der akut unterernährten Kinder allein von Dezember bis Januar, wie Unicef-Landesdirektor Mahimbo Mdoe erklärte. Im Januar mussten schon rund 6500 Kinder unter fünf Jahren wegen schwerer Mangelernährung behandelt werden, 20 000 wegen mäßiger Mangelernährung.

Hunger fördert Prostitution

Die Regierung ist überfordert, weil in Malawi dieses Jahr 2,8 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind. "Wir beobachten, dass es bereits zu sexuellen Handlungen im Austausch für Essen kommt", sagte Mdoe. V

iele Familien hätten wegen der Ernteausfälle nicht mehr genug Geld, Kinder zur Schule zu schicken.

Wegen der vom globalen Klimaphänomen El Niño ausgelösten Dürre in Ostafrika und in den Ländern im Süden des Kontinents sind insgesamt bis zu 50 Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Immunsystem von Kindern besonders schwach

In Äthiopien allein sind rund 18 Millionen Menschen betroffen, darunter sechs Millionen Kinder. Die Dürre trifft ärmere afrikanischen Staaten besonders hart, weil dort oft eine große Mehrheit der Bevölkerung direkt von der Landwirtschaft lebt.

Das Immunsystem unterernährter Kinder ist besonders schwach, was leicht zum Ausbruch von Durchfallerkrankungen oder etwa Masern führen kann, wie Unicef erklärt.

Kinder, die wegen akuter Mangelernährung ärztlich behandelt werden müssen, bekommen normalerweise zwei Wochen lang eine hochkonzentrierten Ernährungslösung, die auch viele Mineralien und Vitamine enthält.

Erst dann stellt sich oft wieder normaler Appetit ein und Kinder können zu Hause zum Beispiel mit angereicherter Erdnuss-Paste weiter aufgepäppelt werden.

Unicef: 155 Millionen Dollar nötig

Unicef brauche zur Bekämpfung der Folgen der Hungerkrise nach eigenen Angaben 155 Millionen Dollar, bislang seien aber erst 15 Prozent der Mittel eingegangen, sagte die regionale Nothilfeleiterin Megan Gilgan.

"Wir wissen, dass es in der Welt momentan viele andere Krisen gibt, aber das Ausmaß und die Auswirkungen dieser Krise für Kinder sind dramatisch", sagte sie. "Die Statistiken sind erschütternd. Und wir rechnen mit einer weiteren Zuspitzung der Lage." (dpa)

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