Ärzte Zeitung, 21.04.2016

Ecuador

Erst Logistik, dann Versorgung

Nach dem schweren Erdbeben vom 16. April laufen die internationalen Hilfsmaßnahmen für Ecuador auf Hochtouren. Auch deutsche Organisationen engagieren sich in der medizinischen Versorgung.

Von Matthias Wallenfels

QUITO/BERLIN. Die Lageeinschätzung und das Eruieren der Bedürfnisse, das sind die beiden dringlichsten Anliegen internationaler Hilfsorganisationen, die sich nach dem verheerenden Erdbeben vom vergangenen Samstag mit der Magnitude von 7,8, das mehrere Hundert Todesopfer und Tausende von Verletzten forderte, auf den Weg nach Ecuador gemacht haben.

So entsandten die Hilfsorganisationen humedica und Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) umgehend Spezialteams nach Ecuador. "Aufgrund unserer Erfahrungen in den vergangenen Jahren müssen wir leider davon ausgehen, dass es sich um eine sehr ernste Situation handelt", erklärt humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß.

Seine Organisation hat am Montagmorgen ein fünfköpfiges Einsatzteam auf den Weg geschickt, darunter die einsatzerfahrenen Ärztinnen Margrit Wille aus Ehringshausen und Liesel Ruff aus Bonn.

MSF hatte bereits am Samstagabend ein erstes Team aus dem Nachbarland Kolumbien, darunter ein Arzt und zwei Psychologen, entsandt, das entscheiden soll, ob und wie Ärzte ohne Grenzen aktiv wird. Ein zweites Team komme aus Mexiko und bestehe aus einem Arzt, einem Logistiker und einem Koordinator.

Mobile Krankenstation mit 20 Betten

Das christliche Werk Geschenke der Hoffnung und seine Partnerorganisation Samaritan's Purse weiten ihre Hilfsmaßnahmen derweil aus. Am Mittwoch fiel der Startschuss für insgesamt drei Hilfsflüge in die Krisenregion. In einem ersten Schritt werde eine mobile Krankenstation mit 30 medizinischen Fachkräften in das Land gebracht.

Damit könnten pro Tag 100 Patienten in der Notaufnahme behandelt werden; es gebe 20 Patientenbetten sowie ein Labor und eine Apotheke. Mit weiteren Flügen könnten jeweils bis zu 40 Tonnen an Hilfsgütern in das Erdbebengebiet geliefert werden.

Die Logistik - das zeigt die Erfahrung zum Beispiel des Aktionsbündnisses Deutschland Hilft (ADH) - ist ein wesentlicher Knackpunkt, wenn es um Erfolg oder Misserfolg eines Hilfseinsatzes nach Naturkatastrophen weltweit geht.

Wie Oliver Pitsch, bei ADH Logistikkoordinator und hauptamtlich in Frankfurt bei der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) als Vorstand des Regionalverbandes Rhein-Main tätig, kürzlich im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläuterte, bedeuten die Hilfsflüge einen immensen logistischen Aufwand, da es zum Beispiel in Abhängigkeit vom Vorliegen diplomatischer Dokumente mitunter zu ziemlich langen Wartezeiten an den Flughäfen der Zielländer und stundenlangen Diskussionen mit Zöllnern kommen kann.

Die Organisation Kindernothilfe fokussiert nach eigenen Angaben die Versorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Außerdem sollen Notunterkünfte für Familien in der besonders schwer getroffenen Stadt Guayaquil errichtet werden.

"Gerade für die Kinder ist die chaotische Situation nach einem derart heftigen Erdbeben sehr belastend und gefährlich. Einige sind verletzt, andere haben Vater oder Mutter verloren", verdeutlicht Kindernothilfe-Landeskoordinator Mauricio Bonifaz, der das Beben selbst miterlebt hat.

"Die Menschen hier stehen unter Schock. Nach wie vor kommt es zu Nachbeben. Noch immer werden viele Personen vermisst, die unter den Trümmern der eingestürzten Häuser vermutet werden", so Bonifaz weiter.

Moskitonetze zur Zika-Prävention

Derweil richtet die UNO-Flüchtlingshilfe nach Erhalt eines offiziellen Hilfegesuches der Regierung in Quito eine Luftbrücke nach Ecuador ein, die von deren globalen logistischen Drehkreuz in Kopenhagen aus koordiniert wird.

Im Hinblick auf eine potenzielle Bedrohung durch das Zika-Virus in der Erdbebenregion sollen auch 18.000 mit Repellentien imprägnierte Moskitonetze verteilt werden.

Die Hilfsgüter seien für die am schwersten betroffenen Gebiete im Westen Ecuadors rund um Manabi, Santo Domingo, Esmeraldas und Guayaquil gedacht.

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