Ärzte Zeitung, 04.05.2016

Probleme mit der Stimme

In Hamburg wird geholfen

Die Deutsche Stimmklinik in Hamburg hilft Menschen, die oft schon einen langen Weg von Arzt zu Arzt hinter sich haben.

Von Dirk Schnack

In Hamburg wird geholfen

Haben ihren Traum von der „Deutschen Stimmklinik“ realisiert: Dr. Susanne Fleischer und Professor Markus Hess. Schnack

HAMBURG. Stimmen sind einzigartig, dienen der Interaktion und sind zugleich ein Erkennungszeichen und Teil des Individuums. Wie die Stimme funktioniert, ist selbst Ärzten im Detail oft nicht bewusst - und auch nicht, dass es Experten gibt, die sich täglich und ausschließlich mit der Stimme und möglichen Erkrankungen beschäftigen.

Zwei dieser Experten sind Professor Markus Hess und Dr. Susanne Fleischer. Die beiden Phoniater betreiben in Hamburg die Deutsche Stimmklinik, die Menschen aus ganz Deutschland behandelt.

"Da mach ich Stimme", stand für Hess fest, als er 1998 eine Professur am Universitätsklinikum Hamburg (UKE) erhielt. Hess wurde zwar als HNO-Arzt berufen, hatte sich zuvor aber in amerikanischen voice clinics spezialisiert - und in Deutschland nichts Vergleichbares kennengelernt.

 Hess Pläne zur Umsetzung in Deutschland wurden am UKE zwar mit Wohlwollen aufgenommen, aber nicht realisiert. "Das passte damals nicht ins Portfolio", sagt Hess.

Alle Arten von Dysphonie

Er hielt dennoch an seinem Traum fest, rund 15 Jahre später realisierte er ihn ohne die große Institution im Rücken, aber auf deren Gelände. 2014 gründete Hess zusammen mit seiner Kollegin Fleischer die Deutsche Stimmklinik. Heute sind die beiden sicher, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Rund 1500 Patienten mit allen Arten von Dysphonie kamen im vergangenen Jahr in ihre "Klinik", die eigentlich eine Praxis ist. Denn Betten gibt es in ihrer Neubauetage auf dem UKE-Gelände keine, behandelt wird ausschließlich ambulant und privat.

Die Patienten kommen mit allen Facetten, die es bei Einschränkungen der Stimmbildung im Kehlkopf geben kann. Sie klagen über Heiserkeit, Schluckbeschwerden, eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Stimme, ständiges Räuspern. Oft sind es Menschen, die berufsbedingt stark auf ihre Stimme angewiesen sind, etwa Sänger oder Moderatoren.

Aber auch Lehrer und Verkäufer, die den ganzen Tag in einem lauten Umfeld mit anderen Menschen kommunizieren und von diesen nur noch schwer verstanden werden. Die meisten von ihnen sind über die ersten Symptome einer Stimmstörung schon hinaus, haben zuvor Hilfe an anderer Stelle gesucht und wurden zum großen Teil an die Hamburger Einrichtung verwiesen.

In der Deutschen Stimmklinik arbeiten die Phoniater Hess und Fleischer mit einem interdisziplinär besetzten Team etwa aus den Bereichen Phonochirurgie, Logopädie, Sprecherziehung und Gesangspädagogik, aber auch ein Diplom-Ingenieur ist dabei. Kassenpatienten steht das hochspezialisierte Wissen in der Stimmklinik nur als Selbstzahler offen. Hess berichtet, dass alle Versuche, mit Krankenkassen in Verhandlungen zu treten, bislang zu keinem Ergebnis geführt haben.

 Von Kassenseite hört er zwar immer wieder, wie sehr man sein Angebot begrüßt - bei Vereinbarungen wollen sich die Kassen aber auf die großen Volkskrankheiten konzentrieren. Dennoch empfehlen viele Kollegen Hess‘ Expertise ihren Kassenpatienten. In solchen Fällen rät Hess zur Kostenerstattung - ein Weg, der oft Erfolg hat.

Eine innere Mission

Hess und Fleischer haben viel Geld investiert - rund eine Million Euro steckten die Ärzte in die Deutsche Stimmklinik. Und sie haben eine sichere Position im UKE zugunsten der Selbstständigkeit aufgegeben. "Das hier ist eine innere Mission. Geld verdient hätten wir besser mit unserer Anstellung am UKE", sagt Hess.

Ganz verzichten sie aber nicht auf die Absicherung durch das UKE: Forschung und Lehre machen dort beide noch. Neben der Stimmklinik haben sie zusammen mit Diplom-Ingenieur Frank Müller auch ein Stimmzentrum gegründet, wo Menschen ihre individuellen stimmlichen Fähigkeiten weiterentwickeln und ihr Stimmpotenzial ausbauen können.

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