Ärzte Zeitung, 31.05.2016

UN

Mehr Nothilfe für Krisengebiete

Die Zahl der Krisen und Katastrophen ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Weltweit brauchen 125 Millionen Menschen Hilfe. Das Geld für ihre Versorgung reicht in vielen Fällen nicht aus.

Mehr Nothilfe für Krisengebiete

Über 125 Millionen Menschen sind weltweit in Folge von Krisen und Katastrophen in Not. Doch das Geld für deren Versorgung reicht vielerorts nicht aus.

© obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Hermann-Gmeiner-Fonds/Katerina Ilievska /dpa

ISTANBUL. Beim ersten Weltnothilfegipfel wollen die Vereinten Nationen die Versorgung bedürftiger Menschen in Krisengebieten verbessern. Für das zweitägige Treffen in Istanbul werden bis Dienstag rund 6000 Vertreter von Staaten und internationalen Organisationen erwartet. Zu den Gästen zählen außer UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie mehr als 60 weitere Staats- und Regierungschefs.

Der Weltnothilfegipfel ist nach Ansicht des stellvertretenden UN-Generalsekretärs Jan Eliasson ein "Weckruf", um die Unterstützung für notleidende Menschen zu verbessern.

Es gebe in der Welt ein "gewaltiges Leiden" und einen riesigen Bedarf an Solidarität, sagte Eliasson am Sonntag. "Es soll ein Gipfel des Handelns sein. Ich würde gerne konkrete Verpflichtungen sehen."

125 Millionen Hilfsbedürftige

Mit dem Gipfel reagieren die Vereinten Nationen auf die weltweit stark gestiegene Zahl von Krisen und notleidenden Menschen. Laut UN brauchen weltweit 125 Millionen Menschen Hilfe, 60 Millionen sind auf der Flucht.

Die UN rechnen in diesem Jahr mit einem Finanzbedarf von 20 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro). In vielen Krisengebieten reicht das Geld nicht aus, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rief die internationalen Geldgeber auf, ihre finanziellen Zusagen für die Nothilfe in Krisengebieten einzuhalten. "Die Menschen in den Krisengebieten müssen sich auf die versprochene Hilfe verlassen können", sagte Müller. Deutschland halte seine Versprechen.

 Die Bundesregierung will bis 2018 2,3 Milliarden Euro zahlen, davon 1,2 Milliarden in diesem Jahr.

Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, forderte die Staaten auf, sich zu einer gesicherten Hilfsfinanzierung zu verpflichten. Sie müssten in Bargeldtransfers an Betroffene anstatt in Lagerhaltung, Transportflüge und Hilfspakete investieren, erklärte Füllkrug-Weitzel.

Der Vorsitzende der Welthungerhilfe, Till Wahnbaeck, sprach sich dafür aus, lokale Hilfsorganisationen zu stärken. "Die Hilfe ist am besten, wenn sie so lokal wie möglich und so international wie nötig ist", sagte er.

Kritik von Hilfsorganisationen

Unter anderem soll bei dem Gipfel darüber diskutiert werden, wie Krisen von vornherein vermieden und Zivilisten in Notgebieten besser geschützt werden können. Außerdem drehen sich die Diskussionen um eine stärkere Verzahnung von kurzfristiger Nothilfe mit längerfristiger Entwicklungshilfe. Allerdings gab es im Vorfeld Kritik an dem Gipfel. Viele Teilnehmer erwarten von dem Treffen keine konkreten Ergebnisse.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF, Médecins Sans Frontières) sagte ihre Teilnahme in Istanbul ab, weil sie das Treffen für ein "Feigenblatt" hält. Russland wiederum kritisierte, Hilfsorganisationen spielten bei dem Gipfel eine zu starke Rolle. (dpa)

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