Ärzte Zeitung online, 27.06.2016

Fernöstliche Therapien

Yoga und Qigong bringen nichts bei Rückenschmerzen

Yoga und Qigong sind offenbar wenig geeignet, um chronische Kreuzschmerzen bei Senioren zu lindern. In einer Studie gingen die Beschwerden damit nicht nennenswert zurück.

Fernöstliche Therapien unwirksam bei deutschem Kreuzschmerz

Studien zeigen einen positiven Einfluss bei jungen Menschen mit Rückenschmerzen - scheinbar gilt das aber nicht für Rentner.

© Aleksandrs Tihonovs / iStock / Thinkstock

BERLIN. Da chronischen Rückenschmerzen mit Medikamenten allein kaum beizukommen ist, werden immer wieder auch andere Methoden geprüft. Bewegung tut bekanntlich gut, und möglicherweise ist auch die Art der Bewegung entscheidend.

Geradezu prädestiniert für multimodale Konzepte sind fernöstliche Verfahren wie Yoga und Qigong: Sie binden nicht nur den Körper, sondern auch den Geist mit ein; sie legen Wert auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise.

Allerdings können rückenkranke Rentner in Deutschland mit solchen Verfahren wenig anfangen: In einer recht großen Studie mit 176 Kreuzschmerzpatienten ließen sich die Schmerzen damit nicht wirklich lindern (J Pain 2016; online 30. März).

Rentner auf Yoga und Qigong-Gruppe aufgeteilt

Für die Studie konnten Forscher um Michael Teut von der Charité in Berlin Teilnehmer im Alter von über 64 Jahren gewinnen, die seit mindestens sechs Monaten an chronischen Kreuzschmerzen litten. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Bandscheibenvorfall oder Schmerzen aufgrund von Tumoren sowie Patienten unter zentralnervös wirkenden Analgetika.

Ein Drittel der Teilnehmer wurde per Zufall einer Yogagruppe zugewiesen, ein weiteres Drittel einer Qigong-Gruppe, und ein Drittel gelangte auf eine Warteliste. Diese Patienten durften nach der Studie einen Yoga- oder Qigongkurs absolvieren. Physiotherapie und Opioide waren im Laufe der sechs Monate dauernden Untersuchung für alle Teilnehmer tabu.

Den Teilnehmern der Yogagruppe (Viniyoga-Methode) wurden im Laufe von drei Monaten 24 Sitzungen mit je 45 Minuten Dauer angeboten. In der Qigonggruppe gab es zwölf Sitzungen über 90 Minuten. In jeder der beiden Gruppen nahmen rund drei Viertel der Patienten 75% der Übungsstunden wahr.

Nicht einmal ein Placebo-Nocebo-Effekt

Die Teilnehmer waren im Schnitt 73 Jahre alt und zu rund 90% weiblich. Zu Beginn beurteilten sie ihre Schmerzen auf einer fünfstufigen Skala (0 kein Schmerz, 4 heftigster Schmerz) mit einem Wert von rund 2,5 bezogen auf die vergangenen sieben Tage.

Nach drei Monaten war dieser Wert in der Kontrollgruppe auf 1,89 gefallen, in der Yogagruppe auf 1,71 und mit Qigong waren es noch 1,67. Die Unterschiede bei der Schmerzreduktion waren jedoch nicht signifikant, und auch nach sechs Monaten - also drei Monate nach dem Ende der Yoga- und Qigongkurse - hatte sich an der Schmerzbeurteilung wenig geändert.

Warum wirkt fernöstlicher Sport bei Jüngeren?

Das Ergebnis stellt die Forscher vor Rätsel. So zeigten Yoga- und Qigongkurse in Studien mit jüngeren Rückenschmerzpatienten durchaus günstige Effekte.

Es wäre zumindest ein Placebo-Nocebo-Effekt zu erwarten gewesen: Teilnehmer in der Kontrollgruppe sind vielleicht enttäuscht, dass sie keine Behandlung bekommen und empfinden ihre Schmerzen nun stärker, wohingegen die Patienten in den aktiven Gruppen alleine aufgrund der Zuwendung eine Schmerzlinderung zeigen.

Dies war jedoch nicht der Fall. Vielleicht fehlt älteren Menschen in Deutschland einfach der Bezug zu solchen fernöstlichen Techniken. (mut)

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