Ärzte Zeitung, 31.08.2016

Aloe Vera

Der "Arzt im Blumentopf"

Die heilenden Wirkung von Aloe Vera ist wohl bekannt. Seit langem schätzen die Menschen die Pflanze: Columbus als Bordapotheke; Alexander der Große bekam sie zur Soldatenversorgung empfohlen. Ist Aloe Vera ein naturgegebener Arzt?

Von Jana Kötter

Der "Arzt im Blumentopf"

Seit Jahrhunderten wegen ihrer heilenden Wirkung geschätzt: Aloe Vera.

© ivan kmit / Fotolia

YAIZA. Zähe Fäden bilden sich, als die Kundin das Blatt der Aloe Vera bricht. Vorsichtig streicht sie etwas des klaren Gels auf ihren Arm. "Nehmen Sie ruhig noch ein wenig, Sie können das Gel auch direkt ins Gesicht reiben", ermuntert Cristina Gonzalez.

Cristina Gonzalez ist Beraterin im Aloe-Vera-Museum auf Lanzarote. Seit 2013 zeigt "Aloe Plus" in Yaiza die Geschichte und Verwendung der Heilpflanze, sechs Museen der Kette sind mittlerweile auf der nur 850 Quadratkilometer großen Insel verstreut. In den Sommermonaten parken ganze Reisebusse vor ihnen, in den Verkaufsräumen helfen Gonzalez und ihre Kolleginnen in sechs Sprachen.

Heilende Wirkung schon in der Antike bekannt

Zu verdanken hat die Aloe Vera ihre Popularität der heilenden Wirkung. "Schon die antiken Schönheiten Cleopatra und Nofretete schätzten die Aloe", erklärt Gonzalez der nächsten Besuchergruppe. "Columbus führte sie als Bordapotheke und gegen Mangelerscheinungen mit sich." Tatsächlich soll sie der Seefahrer als "Arzt im Blumentopf" gelobt haben.

Die älteste bekannte Beschreibung der Aloe Vera stammt gar aus dem Jahr 1500 vor Christus: Im ägyptischen Papyrus von Ebers werden ihre Werte in der Medizin beschrieben.

Seither taucht die Heilpflanze immer wieder in den Geschichtsbüchern auf: Aristoteles empfahl sie Alexander dem Großen für die schnelle Genesung seiner Soldaten, Marco Polo deutete auf den Brauch am chinesischen Kaiserhof hin, der sie bei Magenbeschwerden zur Linderung nutzte.

Verbreitung auch im Westen

Aloe Vera: Das "Blut der Götter" für die alten Ägypter

Aloe Vera ist eine Lilienart und nicht – wie es das Aussehen vermuten lässt – eine Kaktusart.

Das Blattmark ist reich an Vitaminen, Mineralsalzen, Aminosäuren, Enzymen und verdauungsfördernden Fermenten.

Als Heilpflanze wird die Aloe bei äußeren Verletzungen wie Verbrennungen, Sonnenbrand oder Schnittwunden eingesetzt. Bei der inneren Anwendung – meist in Saftform – soll sie das Immunsystem stärken und Magenbeschwerden lindern.

300 Aloe-Arten sind bisher weltweit offiziell verzeichnet, doch lediglich drei davon kommen in der Medizin und in der Kosmetikindustrie zur Anwendung. Die Aloe Vera Barbadensis Miller verfügt über die höchste Wirkstoffdichte.

Im Westen, erfahren die Besucher auf den Tafeln im Museum, fand eine erste Anerkennung der Pflanze innerhalb der Ärzteschaft erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt.

"Voll und ganz" habe man die therapeutische Wirkung dann anerkannt, als die Opfer der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki mit Aloe behandelt wurden und die Verbrennungen wesentlich schneller heilten als in der Kontrollgruppe, die ohne Aloe behandelt wurde.

"Noch heute empfehlen Ärzte sie unter anderem bei Sonnenbrand, allergischen Reaktionen, Akne, Psoriasis oder auch Magen-Darm-Problemen", erklärt Gonzalez.

Kanaren: Wichtig für Wirtschaft und Tourismus

Mit der wachsenden Popularität und dem Einsatz in Medizin und Kosmetika ist die Aloe Vera für die Wirtschaft der Kanarischen Inseln ein wichtiges Produkt geworden. 150 Hektar Ackerland sind auf Lanzarote und den Nachbarinseln für die Heilpflanze reserviert, die Produktionskapazität beträgt sechs Millionen Kilogramm pro Jahr.

Auch wenn diese aktuell noch nicht ausgereizt ist: Die Anbaubedingungen auf dem kanarischen Archipel sind mit einer durchschnittlichen Temperatur von 22 Grad und zahlreichen Sonnenstunden über das gesamte Jahr ideal.

Und die Betreiber zahlreicher Museen und Geschäfte auf den Inseln sind kreativ geworden: So bietet "Aloe Plus" nicht nur Rundgänge durch das Museum sowie unzählige Cremes, Gels und grün gefärbte Badesalze an, sondern auch die jungen Pflanzen selbst. So kann der "Arzt im Blumentopf" dann auf dem heimischen Balkon verpflanzt werden.

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