Ärzte Zeitung online, 13.07.2017

Versöhnung nach Streit

Männer wollen eher Sex, Frauen eher Tränen

Eine US-Umfrage untersucht, was Paaren nach Streit wichtig ist. Doch lassen sich die Ergebnisse auch anders interpretieren.

Männer wollen eher Sex, Frauen eher Tränen

Nach dem Streit folgt die Versöhnung. Doch wie diese gelingt, darüber haben Männer und Frauen laut Studie offenbar unterschiedliche Vorstellungen - oder doch nicht?

© DDRockstar / Fotolia

LEWISBURG. Nach einem Streit gelingt eine Versöhnung besonders gut, wenn die Partner miteinander reden und sich entschuldigen. Einer US-amerikanischen Studie zufolge erscheint Kommunikation für Männer und Frauen gleichermaßen als bester Weg, einen Streit zu lösen. Die Wissenschaftler hatten in einer Umfrage nach dem geeignetsten Verhalten für eine Aussöhnung gefragt. Dabei gaben Frauen zudem an, sich eher zu versöhnen, wenn der Partner nach einem Streit auch mal Tränen zeigt. Die Männer hingegen halten Sex für etwas effektiver.

Für die Studie befragten Psychologen zunächst 74 Männer und Frauen danach, was sie selbst nach einem Streit machen, um sich zu versöhnen. Das Forscherteam um Joel Wade von der Bucknell University in Lewisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania erstellte aus den Antworten eine Liste mit 21 Versöhnungsstrategien. Darauf stehen unter anderem nette Gesten, Austausch von Zärtlichkeiten, Entschuldigungen, Kompromisse aber auch Weinen und Sex.

In einem zweiten Schritt fragten die Wissenschaftler 164 weitere Männer und Frauen, welche dieser 21 Verhaltensweisen sie sich am ehesten vom Partner wünschen, um sich zu vertragen. Dabei kam heraus, dass beide Seiten Kommunikation, Entschuldigung und Vergeben als am hilfreichsten betrachten. Doch es gab auch Unterschiede.

So landete Sex bei Männern immerhin auf Platz 13 der 21 hilfreichen Verhaltensweisen nach einem Streit, bei Frauen nur auf Platz 16. Sie wiederum glauben, dass Streit auch gut gelöst werden kann, wenn der Mann weint: Platz 10 von 21. Bei Männern kam dieses Verhalten auf Rang 19.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Evolutionary Psychological Science" veröffentlicht wurden, decken sich den Forschern zufolge mit grundsätzlichen Erkenntnissen über Partnerschaft. So würden Männer in einer Beziehung besonders darunter leiden, wenn Frauen sexuell nicht zugänglich seien.

Frauen hingegen möchten emotionale Bekenntnisse: "Wenn ein Mann solche Verhaltensweisen zeigt, signalisiert er der Frau vielleicht, dass er sich auch in einer Elternschaft stärker engagieren würde, was für Frauen ein wichtiger Faktor ist", schreiben die Autoren.

Die Forscher glauben allerdings, dass Verhaltensweisen wohl auch zur Streitsituation passen müssen. So könnte Sex eher geeignet sein, um einen Eifersuchts-Streit beizulegen. Bei einem Streit über Geld sei dies unwahrscheinlicher.

Gisela Steins, Professorin am Institut für Psychologie an der Universität Duisburg-Essen, glaubt jedoch, dass die Studienteilnehmer unter Umständen auch so geantwortet hätten, wie es den Erwartungen an ihre Geschlechterrollen entspreche. Bei Beobachtungsstudien würde das Verhalten von Frauen und Männern weit weniger voneinander abweichen.

"Das ist vielleicht sogar eher eine Studie, die zeigt, wie sich amerikanische Frauen und Männer gerne selbst darstellen", sagte Steins. "Frauen, die konventionellen Bildern entsprechen wollen, zeigen ihre feminine Seite. Direkt Sex zu wollen, entspricht dann nicht den Erwartungen an eine Frau."

Grundsätzlich gelte ein größerer Beziehungsstreit in der Psychologie als Stresssituation, die aufgelöst werden sollte. In der Studie wird darauf hingewiesen, dass zwar in einigen Fällen eine Trennung die beste Option sein kann. Diese würde aber unter Umständen auch mit Kosten wie Stress, finanziellen Schwierigkeiten oder Unzufriedenheit einhergehen. Versöhnungsstrategien hingegen hätten einen positiven Effekt für beide Seiten so die Forscher. So hätten zum Beispiel Menschen, die Vergeben können, gesundheitliche Vorteile. (dpa)

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