Ärzte Zeitung, 06.02.2004

KOMMENTAR

Ist nur, wer forscht, ein wahrer Doktor?

Von Swanett Koops

"Rettet die medizinische Forschung!", hat sich wohl Professor Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, bei seinem Vorschlag gedacht, nur die Ärzte, die knallharte Forschung betrieben, hätten den wahren Doktortitel verdient. Für die weniger wissenschaftlich Ambitionierten soll es dann den Medizinischen Doktor (MD) geben, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Solch eine Unterscheidung - die ja wohl kaum in anderen Fakultäten möglich ist - teilt die Ärzteschaft in zwei Lager. Da gibt es die forsch forschenden Mediziner, die sich für den richtigen Dr. med. notgedrungen in irgendwelche dunklen Kellerlabore stellen und nackten Mäusen verschiedene Substanzen in die Venen spritzen.

Auf der anderen Seite sind die Kollegen, die eine patientennahe Medizin praktizieren und für ihre Doktorarbeit vielleicht lieber Menschen befragen als Tiere sezieren möchten. Mit dem MD würden diese Kollegen für viele Patienten wahrscheinlich zu Ärzten zweiter Klasse degradiert werden. Außerdem: Wer jahrelang ins Mikroskop starrt oder fleißig diverse Gewebeproben sammelt, garantiert noch lange nicht, daß er dadurch wirkliche wissenschaftliche Entdeckungen liefert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »