Ärzte Zeitung, 12.11.2004

UND SO SEH' ICH ES

Kinder bringt doch der Storch

Sie mögen es glauben oder nicht: Kinder bringt doch der Storch! Zwar herrscht allgemein die Meinung, daß hinter dem Kinderkriegen die sexuelle Fortpflanzung stecke, und es ohne Geschlechtsverkehr keine Buben und Mädchen gebe. Doch Theologen wissen längst, daß das nicht ganz richtig ist. Von zumindest einem Fall wird in der Bibel berichtet - und auf die Bibel sollte man sich verlassen können.

Ja, der Storch bringt Kinder. Das wurde unlängst auch von drei Berliner Wissenschaftlern begründet, schön wissenschaftlich und strikt allen Vorschriften der Lehre und Statistik folgend geführt; denn die allgemeine Meinung über die sexuelle Fortpflanzung sei anachronistisch, der Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und Geburt beruhe nur auf weitverbreiteten Ansichten und sei überhaupt auf der Basis nicht ganz schlüssiger Theorien entstanden - Theorien, die wahrscheinlich nur auf zufälligen, überinterpretierten Statistiken basierten.

Den drei Berliner Wissenschaftlern Hofer, Przyrembel, Verleger gelang der Beweis, daß Störche doch Kinder bringen ("Paediatric and Perinatal Epidemiologie", 2004 (18); 88-92).

Sie prüften die Korrelation zwischen Geburtenrate und Storchenbestand, der durch epidemiologische Untersuchungen für beschränkte Zeiträume und begrenzte Regionen nachgewiesen ist und von ihnen durch die Analyse neuerer Daten bestätigt werden konnte. Wobei die Daten jedoch nur Niedersachsen und die Bundeshauptstadt Berlin betrafen.

In Niedersachsen korreliere der Rückgang der Geburten mit der Reduzierung des Storchenbestands in den Jahren 1970 bis 1985, in der nächsten Dekade (1985-1995) sei die Geburtenzahl nahezu gleichgeblieben, ebenso die Anzahl der Adebare. Der Zusammenhang erscheine klar, sei jedoch nicht signifikant, da in Niedersachsen die Zahl außerklinischer Geburten nicht genau dokumentiert worden sei.

In Berlin habe man von 1990 bis 2000 eine parallel verlaufende Zunahme von Geburten und der Anzahl von Storchenpaaren im Umland beobachten können, was statistisch allerdings nur für die außerklinischen Entbindungen signifikant sei, nicht hingegen für die Geburten in Kliniken.

Wobei es in der Hauptstadt zwar keine Storchennester gebe, andererseits aber nach dem Mauerfall, die Geburtenzahl stark gestiegen ist. Anzunehmen sei, daß der hohe Storchenbestand des Umlands sich wesentlich auf die Zunahme der Geburten in der Berlin ausgewirkt habe.

Die Autoren vertreten zudem die Meinung, daß ergo eine Zunahme des Storchenbestands in Europa die niedrigen Geburtenraten in den meisten europäischen Ländern positiv beeinflussen könne. Zusätzlich haben sie bewiesen, daß man aus beliebigen Korrelationen verschiedener Statistiken je nach Bedarf immer wieder neue wissenschaftliche Theorien entwickeln kann.

Die Theorie stellt einen Zusammenhang her, der einen zum Schmunzeln bringt: Wer würde es nicht gern glauben, daß der Storch die Kinder bringt? Die Theorien der nur allzugut bekannten Medizinökonomen basieren - rein wissenschaftlich gesehen - auf ähnlich zweifelhaften Grundlagen. Sie treiben einem eher die Tränen in die Augen - meint

Ihr Ironius

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