Ärzte Zeitung, 11.02.2005

UND SO SEH' ICH ES

Nichts ist heute sicher - außer der Unsicherheit

Die verrückten Karnevalstage sind vorbei und das alltägliche Leben hat uns wieder. Und man stellt plötzlich fest, daß das einzige, was in einer Zeit, in der Zahlen von nicht nur fünf, sondern fast sechs Millionen Arbeitslosen die Runde machen, wirklich sicher ist - die Unsicherheit ist groß.

Die Arbeitsplätze hierzulande sind nicht sicher, die Renten ebenso nicht - ganz zu schweigen von den kassenärztlichen Honoraren. Diese sind schon seit eh und je mehr als unsicher. Noch nicht einmal vom EBM 2000plus kann man als sicher reden, müßte man ihn dann doch eher "EBM 2000minus" nennen, da für die Honorare ganze 900 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen.

Selbst Prominente suchen nach einer Nebenbeschäftigung

Selbst Prominente scheint diese Unsicherheit unsicher zu machen. Viele von ihnen suchen ganz augenscheinlich nach Nebenbeschäftigungen, wobei es nicht jedem so gut geht wie Alfred Biolek, den in seiner Fernseh-Werbung Klosterfrau Melissengeist - nach seiner Aussage - stets rasch gesunden läßt. Finanziell auf alle Fälle.

Denken wir an den Politrentner Norbert Blüm. Nachdem er uns Otto-Normalbürgern den Slogan "Unsere Renten sind sicher" an den Kopf warf, glaubten wir, daß zumindest die Renten unserer Minister sicher seien. Das scheint jedoch auch nicht mehr ganz zu stimmen: Hätte sich sonst ein Exminister zu einer derart lächerlichen kleinen Werbefigur herabgelassen? Da er aber trotz Zusage, angeblich wegen Erkältung, nicht zum "Ball des Sports" gekommen ist, scheint sein in der Werbung gezeigtes Vertrauen ihm auch nicht so recht geholfen zu haben.

Unsicher sind auch die Ärzte. Mehr als je zuvor. Sowohl die Niedergelassenen als auch die Kliniker. Weniger als zuvor wissen sie, was sie künftig erwartet. Sie können weder planen noch sich auf das, was möglicherweise auf sie zukommt, rechtzeitig einstellen. Sie fühlen sich völlig verloren im Dickicht der Bürokratie und der Neuerungen.

Da schließt ein Ärzteverband nach dem anderen einen Vertrag mit einer Krankenkasse ab, selbstverständlich außerhalb der Kassenärztlichen Vereinigungen, in der Hoffnung auf günstigere Konditionen.

Doch was dann, wenn den KVen irgendwann das Geld für die Honorare fehlt, wenn immer mehr KV-Mitglieder Direktverträge mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abschließen? Mancher Mediziner ist schon so durcheinander, daß er gar nicht mehr weiß, welchen Vertrag er bei wem unterschrieben hat und welchen er eigentlich besser nicht hätte abschließen sollen.

Nach dem Aschermittwoch ist längst nicht alles vorbei

Wobei mancher Zyniker es auf die Spitze treibt mit der Frage, was der Doktor eigentlich macht, wenn ein Patient seine Hilfe sucht, der nicht in der Krankenkasse versichert ist, mit der er gerade einen Vertrag abgeschlossen hat.

Man sagt, daß am Aschermittwoch angeblich alles vorbei sei. Alles? Die Unsicherheit jedenfalls bleibt - das meint

Ihr Ironius

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