Ärzte Zeitung, 05.09.2005

Junge oder Mädchen? Nur Arzt und Babyausstatter wissen Bescheid!

Jede vierte US-Frau will das Geschlecht ihres Babys erst bei der Geburt erfahren - trotzdem soll das Kinderzimmer gleich die richtige Farbe haben

Von Silke Lode

Als werdende Mutter fühlte sich Meredith Levine aus New Yorks Szeneviertel Tribeca in einem Dilemma: Sie wollte sich vom Ausruf der Ärzte überraschen lassen: "Es ist ein Junge!" oder "Ein Mädchen!" Aber gleichzeitig wollte sie auch das Kinderzimmer vor der Geburt passend eingerichtet haben. Passend, das heißt für Levine wie für die Mehrheit der US-Amerikaner in rosa oder in blau.

Für die wachsende Gruppe der Eltern, die ihre Neugier zügeln können wie Levine, bieten einige Kinderläden in Manhattan jetzt die Lösung. Sie organisieren die "richtige" Babyausstattung, ohne das Geheimnis vom Geschlecht des werdenden Erdenbürgers preiszugeben.

Info über Baby-Geschlecht wird in Umschlag versiegelt

"Das war eigentlich ganz einfach", erzählt die 32jährige Levine mit ihrem inzwischen viermonatigen Sohn Samuel auf dem Arm. "Als ich in der 20. Schwangerschaftswoche zur Sonographie ging, nahm ich ein Formular mit." Darauf vermerkte ihr Arzt das Geschlecht des Ungeborenen, das er bei der Untersuchung identifiziert hatte. Den Bogen steckte Levine in einen Umschlag, klebte ihn zu und lieferte ihn im Kinderladen "Blue Bench" ab.

Dreiviertel aller US-Frauen lassen sich aufklären

Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Maryann Huhn Werner aus Westfield im Nachbarstaat New Jersey, berichtet, daß sich derzeit etwa dreiviertel ihrer Patientinnen beim Ultraschall aufklären lassen. "Sie wollen wissen, wie sie das Zimmer für den Familienzuwachs streichen müssen", sagte sie der dpa.

Schlecht abwarten können vor allem Mütter, die schon zwei oder drei Jungen daheim haben und sehnlichst auf das kleine Mädchen warten - oder umgekehrt. Am gelassensten sind nach den Worten der Ärztin meist die nicht mehr ganz jungen Frauen. Wenn sie sich trotz Karriere endlich zur Mutterschaft entschlossen haben, fiebern sie dem Baby entgegen - ganz gleich welchen Geschlechts.

"Heute kann jede Frau lange vor der Niederkunft erfahren, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen erwartet", meint der Gynäkologe Ricky Friedman an Manhattans Upper East Side. "Aber die Hälfte derer, die auf dem Überraschungseffekt bestehen, will dennoch gut vorbereitet sein." Für diese Kundschaft bieten Kinderläden wie "Blue Bench" den besonderen Service an. Dort wählen die werdenden Eltern zwei Einrichtungen aus, eine für den Fall, es wird ein Sohn. Die andere für die kleine Tochter.

"Es muß nicht immer nur rosa oder blau sein. Oft unterscheiden sich die Möbel an Kleinigkeiten wie dem Griff der Kommode - Glasknöpfe für Mädchen, Holzgriffe für Jungen. Oder dem Motiv - Schmetterlinge oder Lastwagen", sagt Steve Johnson, der den Laden mit seiner Schwester führt.

Auf dem Weg ins Krankenhaus rufen Eltern wie die Levines im Laden an und lassen die Möbel liefern- pünktlich zum Einzug des Babys.

Auch Jessica Donoho erfuhr erst von den Krankenschwestern, daß ihr erstes Kind ein Junge ist. "So ist es einfach aufregender, es gibt so wenige Überraschungen im Leben", meint die 35jährige. Ihre Schwester habe auch von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Manche empfinden die Geheimnistuerei als "bizarr"

Dagegen taten einige Arbeitskollegen aus dem benachbarten New Jersey die Geheimnistuerei als "bizarr" ab. "Ich bin schon älter, habe hart gearbeitet. Dies ist mein erstes Baby, und ich will, das alles perfekt ist. Dafür gebe ich auch etwas mehr aus", verteidigt sich Donoho.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »