Ärzte Zeitung, 07.10.2005

Heißblütige Italiener, fleißige Deutsche?

Studie untersuchte nationale Klischees und fand heraus: Sie treffen nur sehr selten zu

WASHINGTON (dpa). Deutsche sind fleißig und Italiener heißblütig? Wissenschaftler haben in einer weltweit einzigartigen Studie nach dem Wahrheitsgehalt solcher Stereotypen geforscht. Ergebnis: "Nationale Klischees spiegeln nicht wirklich die einzelnen Persönlichkeiten in diesen Ländern wider." ("Science" 310, 2005, 96).

Bislang habe es nur wenige Versuche gegeben, die Richtigkeit von nationalen Klischees zu überprüfen, schreibt ein internationales Team um den US-Forscher Antonio Terracciano vom National Institute on Aging in Baltimore (US-Staat Maryland).

Die Forscher fanden in ihrer Studie zum Beispiel keine Bestätigung der Klischeevorstellungen von Italienern. Sie sind keine Machos, und sie fühlten sich Frauen nicht überlegen. Nur beim Punkt "playboyhaftes Auftreten vor Frauen" räumen viele Italiener ein, dies treffe auf sie zu.

Nicht überraschend nennen es die Forscher, daß sich Australier als extrovertiert betrachten, daß Deutsche und deutschsprachige Schweizer glauben, sie seien besonders pflichtbewußt und daß sich Kanadier als liebenswürdig beschreiben.

Auch zeigten geographisch und historisch verbundene Kulturen wie Deutschland und Österreich oder die USA und Kanada ähnliche Persönlichkeitsprofile. Der Untersuchung lagen drei verschiedene Umfragen mit fast 4000 Teilnehmern in 49 Staaten und Regionen zu Grunde.

Dabei wurden die Menschen nach Persönlichkeitsmerkmalen wie Experimentierfreude, Pflichtgefühl oder Offenheit gefragt. Sie sollten sich selbst sowie Freunde und schließlich einen "typischen Menschen ihrer Kultur" bewerten. Ergebnis: Die beiden ersten Erhebungen - Selbsteinschätzung und Angaben zu Freunden - entsprachen sich weitgehend, wichen aber stark von der dritten Untersuchung zur allgemeinen Wahrnehmung eines Volkscharakters ab.

Topics
Schlagworte
Auch das noch! (3195)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »