Ärzte Zeitung, 13.12.2005

"Die schönen Baritons" - angehende Professoren mit Hang zur leichten Muse

Dr. Claudia Spahn und Dr. Bernhard Richter touren schon seit zehn Jahren durchs Land

Von Ulla Bettge

Wenn Dr. Claudia Spahn, habilitierte Oberärztin an der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und Dr. Bernhard Richter, Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohrenklinik (HNO) - beide am Freiburger Universitätsklinikum tätig - an dienstfreien Wochenenden den weißen Kittel mit dem schwarzen Frack tauschen, dann geht Musik ab.

Kommen auf 30 bis 40 Auftritte pro Jahr: Dr. Claudia Spahn und Dr. Bernhard Richter alias "Die schönen Baritons". Foto: Uni Freiburg

Um genau zu sein: Die Kollegen und angehenden Inhaber einer ordentlichen Professur sind im zweiten - oder ersten? - Leben Musiker mit Leidenschaft und Hochschulabschluß.

Engagements in Berlin und Freiburg

Das eine schließt und schloß für die Doktoren der Medizin das andere nicht aus. Und so tourt das ambitionierte Duo schon seit zehn Jahren selbstironisch als "Die schönen Baritons" durch Deutschlands Kabarett- und Kleinkunstszene.

Da kommen unter Verzicht auf Wochenend- und Jahresurlaub schon mal 30 bis 40 Auftritte zusammen. Mit dabei: Deutsch-französisches Sommerfestival unweit von Paris, Schmidts Tivoli Theater in Hamburg, die Bar jeder Vernunft in Berlin, das Freiburger Theater am Eck oder auch gleich um die Ecke die Kumedi im alten Bahnhof von Riegel.

Beide lieben Auftritte im kleinen Kreis

Die habilitierte Psychosomatikerin mit der ganzen Bandbreite der Blockflöte und der singende Phoniater mit der Schmalzlocke lieben Auftritte zu später Stunde und in kleinem Kreis. Bei ihren Late-night-Darbietungen vor maximal 150 Gästen gibt es Ironie, Chansons, aber auch Lieder- und Schubert-Abende mit klassischer Musik.

Obwohl weder Spahn noch Richter aus Musiker- oder Medizinerfamilien stammen, fuhren sie schon früh zweigleisig.

Blockflöte, Klavier, Geige und so nebenbei vor dem Abitur ein Stipendium am Musikkonservatorium in Würzburg bei ihr, Knabenchor (Hymnus Chorknaben Stuttgart) von acht bis Abitur und paralleler Gesangsunterricht als Zivi-Rettungssanitäter für ihn.

Warum dann noch Medizin? Gleiche Ansage bei beiden: "Ein traditioneller Brotberuf sollte schon sein."

Kein Problem bei Abi-Durchschnittsnoten von 1,1 (sie) und "nicht ganz so gut" (er).

Die eigentliche Entscheidung zum Doppelstudium fällt dann bei beiden nach dem Physikum. Die Instrumentalistin fand sich im Medizinstudium allein zu wenig persönlich gefragt, den Gesangsstudenten prägten die Kollegen "Stimmärzte", die er am Universitätsklinikum kennenlernte.

"Das ist vergleichbar mit Sportmedizin"

Der Umgang mit dem Instrument eigener Körper und seinen Anfällig- und Abhängigkeiten faszinierte den angehenden Arzt und Sänger so, daß er nach der HNO-Facharztausbildung zum Thema habilitierte. Gesangsphysiologie und die Möglichkeiten, sängerische Leistung gezielt und individuell zu fördern, sind seither seine Schwerpunkte. Richter: "Das ist vergleichbar mit Sportmedizin."

Team auf der Bühne und in der Klinik

Beide Musikermediziner waren sich, bei aller Begeisterung für den guten Ton und seine Brauchbarkeit als "Grundkommunikationsform", immer einig, daß sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im richtigen Leben, sprich als Arzt, im Team stehen wollten.

Das Doppelstudium mit 60 bis 80 Wochenstunden Lernen und Üben - kein Problem für die schönen Baritons. "Das war nie ein Konflikt - die Entscheidung entweder oder stand zu keinem Zeitpunkt an."

Lampenfieber schon eher - aber als wissenschaftlicher Ansatz der künftigen Lehrbeauftragten am neu gegründeten Freiburger Institut für Musikermedizin unter Leitung von Professor Mirjam Nastasi, Rektorin der Musikhochschule Freiburg, in Zusammenarbeit mit der medizinischen Fakultät der Universität - ein so in Deutschland einmaliges Modell, das seinen Klinikalltag Anfang 2006 aufnehmen wird.

Versorgung von Musikern und Stimmpatienten

Die Beteiligten sehen ihre Aufgaben dort in der Krankenversorgung von Musikern und Stimmpatienten, kurz, von allen, die professionell mit ihrer Stimme umgehen.

Und auf der anderen Schiene gibt es auch keinen Stillstand. In ihrem sonderangefertigten "Flötenschrein" warten aufrecht stehend wie die Orgelpfeifen etliche der schlanken Holzblasinstrumente auf ihren nächsten Einsatz mit Schmalzlocke, Charme und Maßgeschneidertem…

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