Ärzte Zeitung, 24.01.2006

Minus 33,8 Grad in Bayern - extreme Minustemperaturen

Sibirische Kältewelle in vielen Ländern Europas / Mehrere Kältetote / In polnischen Bussen gefror das Benzin / Kältefrei an Schulen

HAMBURG (dpa). Tiefsttemperaturen bis knapp minus 34 Grad sorgen in Deutschland und Teilen Europas weiterhin für klirrende Kälte. In Ostdeutschland war die Nacht zum Montag teilweise die kälteste in diesem Winter, teilte der Wetterdienst Meteomedia gestern mit.

Bei klirrender Kälte schlafen Obdachlose zusammen mit ihren Hunden unter einer U-Bahnbrücke an den St. Pauli Landungsbrücken im Hamburger Hafen. Fotos: dpa

Der kälteste Ort in Deutschland war danach Funtensee in Bayern mit minus 33,8 Grad und Haidmühle ebenfalls in Bayern mit minus 27 Grad. In Morgenröthe-Rautenkranz in Sachsen wurden minus 24,3 gemessen.

Minus 40 Grad in Moskau: Ein Junge preßt Nase und Mund an eine Scheibe.
Eisfischen auf dem zugefrorenen Forellensee in Brokenlande (Kreis Segeberg).

In Berlin war es minus 20 Grad kalt. Die Kältewelle erreichte gestern auch Frankreich, Österreich, Ungarn und Griechenland. Auch in Polen hielt die arktische Kälte an.

Mehrere Menschen sind in Deutschland erfroren. In Wolfen in Sachsen-Anhalt zum Beispiel erfror am Sonntagabend eine 74jährige.

Die gehbehinderte Frau habe nur kurz zum Briefkasten gehen wollen, sei dabei gestürzt und habe nicht wieder aufstehen können, sagte ein Sprecher der Polizei in Dessau.

Ein siebenjähriger Bub ist gestern morgen in Selb in Oberfranken mit seiner Zunge an einer Laterne festgefroren. Polizeiangaben zufolge hatte das Kind auf dem Weg zur Schule bei minus 18 Grad mit seiner Zunge die Kälte an der Laterne getestet, dabei passierte ihm das Mißgeschick.

Der Junge wurde nach kurzer Zeit jedoch vom Roten Kreuz mit warmen Wasser wieder befreit. Der Bub blieb bis auf einige leichte Risse an der Unterlippe unverletzt und konnte anschließend in die Schule gehen.

Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt schickte gestern Polizisten verstärkt auf "Kälte-Streife". Dabei sollten besonders Treffpunkte von sozial Schwachen und Obdachlosen aufgesucht werden, um ihnen im Notfall helfen zu können.

In Polen brach gestern morgen in mehreren Orten der Nahverkehr zusammen, weil das Benzin in den Bussen gefror, berichtete der polnische Rundfunk. In Oberschlesien dagegen versagte die Elektronik vieler Straßenbahnen in der dicht bevölkerten Region. Im Zugverkehr kam es wetterbedingt zu vielen Verspätungen.

In mehreren Teilen des Landes sagten die Behörden den Unterricht ab. In Masuren, einer der ärmsten Regionen Polens, waren die Schulen trotz Unterrichtsausfalls geöffnet. Auf diese Weise wollen die Schulbehörden sicherstellen, daß die Schüler geheizte Räume und ein warmes Essen erhalten.

In Tschechien haben Temperaturen von bis zu minus 30 Grad das 14. Kälteopfer des diesjährigen Winters gefordert. Auch im Norden Griechenlands herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt, und es schneite auch in den Niederungen.

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