Ärzte Zeitung, 04.08.2006

UND SO SEH' ICH ES

Leichte Kost für die schönsten Tage des Jahres

Ab Montag macht die "Ärzte Zeitung" für 14 Tage Urlaub. Da will Ironius seinen Lesern noch ein bißchen leichte Kost servieren. Vermischtes aus verschiedenen Zeitungsnotizen mit kurzen Kommentaren garniert, journalistisch nennt man das Miszellen - nach dem lateinischen Wort miscere (mischen).

  • Mohamed Miri, obwohl selbst kein guter Schwimmer, rettete in Antwerpen eine junge Frau vorm Ertrinken, wobei er sich beim Sprung ins schmutzige Wasser des Hafenkanals verschluckte und dann auch gleich mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht wurde. Kurze Zeit später bekam er seine Belohnung: Eine Rechnung über 67,19 Euro für den Krankentransport, wie die "Ärzte Zeitung" berichtete. Kommentar: Das war noch richtig preiswert. Bei uns hätte er sicherlich fast das Fünffache bezahlen müssen.
  • Auch die Professoren sind heute nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Die Chefredakteure des renommierten JAMA (Journal of the American Medical Association) beklagten in ihrer Juni-Ausgabe, daß manche Autoren mögliche Interessenkonflikte immer noch nicht darlegten. Grund für diese Beschwerde war die Korrektur eines Artikels vom Februar, in dem berichtet wurde, daß Frauen, die während der Schwangerschaft aufhörten, Antidepressiva zu nehmen, dann wieder depressiv würden.

    Es zeigte sich jedoch, daß die Autoren der im Artikel zitierten Studien entweder von Antidepressivaherstellern unterstützt wurden oder sogar in diesen Firmen beschäftigt waren und bei Einsendung der Arbeit an die Redaktion kein Wort darüber erwähnt hatten. Der Hauptautor der Studie hat allen Ernstes bestritten, daß Verbindungen zur Pharmaindustrie überhaupt Interessenkonflikte bedeuten könnten oder würden. Der mit Namen genannte Professor aus Boston wurde von sage und schreibe zehn Pharmafirmen unterstützt. Kommentar: Manche US-amerikanischen Wissenschaftler sind offenbar wirklich der Meinung, daß Interessenkonflikte erst ab einem Dutzend Sponsoren bestehen können...

  • Bei einer Diskussion über Doping im Radsport während des ZDF-Sportstudios am vergangenen Samstag sagte der ehemalige spanische Profi Jesús Manzano, der früher selbst auch Dopingmittel genommen hatte: "Alle 139 Tour-Fahrer, die Paris erreichten, waren gedopt." Kommentar: Die Frage ist nur, ob die Sportler, die die Tour de France nicht zu Ende gefahren, sondern vorher ausgestiegen sind, wirklich clean waren oder einfach nur zu schwach gedopt.
  • Am 1. August ist die Rechtschreibreform endgültig in Kraft getreten. Der neue Duden, um Klarheit besorgt, hat sogar vier verschiedene Druckfarben bemüht - und trotzdem bleibt vieles noch unklar. Manches wird zusammengeschrieben, manches auseinander, manches wie früher, manches aber auch wiederum nicht. Manches kann man sowohl als auch schreiben. Ein Beispiel von vielen: Man kann sowohl Pleite gehen als auch pleitegehen. Oder: Man kann eine Versammlung platzenlassen oder aber einen Ballon platzen lassen. Kommentar: Das ist ja wirklich zum Platzen.
  • Und zum Schluß noch der neueste Bankerwitz: Eine Flasche im Keller ist schlichtweg zu wenig, zwei Flaschen im Vorstand aber viel zu viel.

Einen erholsamen Urlaub wünscht allen Leserinnen und Lesern

Ihr Ironius

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