Ärzte Zeitung, 31.10.2008

Und so seh‘ ich es

Hofnarren bitte draußen bleiben, das "Bellevue" ist mitnichten ein Kabarett

Vor fünf Jahren ist Gesine Schwan ein gern gesehener Gast bei der Partei "Die Linke" gewesen, die damals gemeinsam mit der SPD die Kandidatur der Präsidentin der Europa-Universität "Viadrina" für das Amt des Bundespräsidenten unterstützte. Heuer jedoch wollte man keine Gemeinsamkeiten. Diesmal beschloss das "Politbüro" der Linken, der SPD die Suppe zu versalzen und ging selbst auf Suche nach eigenen Kandidaten.

Wer sucht, der findet, sagt das Sprichwort, und so fand man dann auch einen Kandidaten in Person von Peter Sodann, eines insbesondere im Osten populären Schauspielers, der vielen Fernsehzuschauern als Tatort-Kommissar Ehrlicher aus Leipzig bekannt ist. Sodann, der zu DDR-Zeiten sechs Monate lang in Bautzen inhaftiert war, ist kein Mitglied der "Linken"; denn schon damals hatte er sich geschworen, niemals einer politischen Partei anzugehören. Im Übrigen war er der Meinung, es sei besser, ein politisierender Schauspieler als ein schauspielernder Politiker zu sein. Das scheint er inzwischen vergessen zu haben - er wurde sich selbst untreu, er hat den Bitten von Bisky und Lafontaine nachgegeben.

Der Kandidat der Linken, Sodann, gibt Rätsel auf.

Seine Begründung ähnelte der, die in Witzen hübschen jungen Damen nachgesagt wird, die keinem ihrer zahlreichen Bewerber ein klares "nein" sagen können, weil sie - ach, so gut erzogen - gelernt haben, eine Bitte nicht abzuschlagen. Auch Sodann hat, wie er sagte, den Linken nicht "nein" sagen können ...

Anno dazumal hielten sich Herrscher in König- und Kaiserreichen einen Hofnarren, dem das Recht zugestanden wurde, auch einmal ein ehrliches und scharfes Wort zu äußern, das andere rasch den Kopf gekostet hätte. Diese Zeiten sind jedoch längst passé. Anscheinend aber nicht für Peter Sodann, der jetzt eher den Hofnarren zu spielen scheint, als einen ernst zu nehmenden Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten abzugeben.

Anders lassen sich die Vorstellungen, die er in Interviews formulierte, nicht erklären. Seine Worte, dass, "wäre er echter Polizist und nicht nur Tatort-Kommissar, würde er am liebsten Deutsche-Bank-Chef Ackermann verhaften" lassen sich nicht einmal als Groteske entschuldigen. Und für welches Land meint er zu kandidieren, wenn er sagt: "Ich halte das, was wir haben, ja nicht für eine Demokratie ..."?

Gleich in seiner Antrittsrede nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten würde Peter Sodann vorschlagen, in Zukunft als neue deutsche Nationalhymne Brechts Kinderhymne: "Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand, dass ein gutes Deutschland blühe, wie ein andres gutes Land" erklingen zu lassen. Da scheint es gut, dass den Chören bis zur Wahl des Bundespräsidenten im Mai nächsten Jahres noch eine Weile Zeit zum Üben bleibt.

Fazit: Peter Sodann mag ein guter Schauspieler sein, das "Bellevue", die Residenz des Bundespräsidenten, ist aber kein Kabarett - meint

Ihr Ironius

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