Ärzte Zeitung, 07.11.2008

Und so seh‘ ich es

Delegation oder Substitution? Hamlets Auftritt bei "Kontrovers" in Berlin

In Berlin regnete es in Strömen, und auch bei der KBV-Diskussion "Kontrovers" über AGnES und Co zur Frage: "Wird die Schwester bald zum Doktor", schien der Wettergott seine Hand im Spiel zu haben. Es hagelte nur so von divergierenden Argumenten, die den Veranstaltern entgegengeschmettert wurden.

Dabei hatte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler die Diskussion eher moderat eröffnet. "Delegation oder Substitution?", das war die Frage, die er - einem medizinischen Hamlet gleich -der Runde stellte, wobei er sich selbst klar und deutlich für die Delegation aussprach und sich ebenso deutlich gegen die Substitution festlegte. Auch KBV-Vorstandsmitglied Dr. Carl-Heinz Müller lehnt die Substitution strikt ab, obwohl er die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit mit den zukünftigen medizinischen Hilfsfachkräften, die dem Arzt beistehen sollen, betonte, egal ob sie nun AGnES, Vera oder Mopra, so die modernen Kürzel für die zukünftigen mobilen Krankenschwestern, heißen.

"In die Hände, meine Lieben, wurde euch MM geschrieben". Was die älteren Diskussionsteilnehmer vielleicht noch von der Sektwerbung her kennen - hier waren das MM zwei Müllers, die das Thema "Substitution oder Delegation" unter sich ausmachten. Und es schien, als habe Frau Marie-Luise Müller, die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, nur darauf gewartet, dass Dr. Carl-Heinz Müller seine Ausführungen beendet, um mit Vehemenz und durchaus auch aggressiver Rhetorik die Forderungen und Thesen des Pflegerats vorzustellen. Die hatten reichlich Explosives in sich: "Macht und Monopol der Ärzte entspricht nicht den Anforderungen der Gesellschaft", so ihre Worte, und sie verlangte daher im Namen des Deutschen Pflegerats mehr Diagnose- und Therapiebefugnisse für Pflegepersonal. "Wir werden in der Zukunft viel mehr gut akademisch ausgebildete Pflegekräfte haben, die den Arzt sehr gut ersetzen können". So ist das also...

Nach Abschluss ihrer Ausbildung sollen sie als freiberuflich tätige Pflegekräfte mit einer Diagnose- und Therapiebefugnis ausgestattet werden, die sich an der von freiberuflich tätigen Hebammen orientiert. Nach Vorstellungen des Deutschen Pflegerats soll sich die Rolle des Arztes in Zukunft auf Diagnose- und Therapievorschläge in besonders schwierigen Fällen beschränken, alles andere sei dann in den Händen ganzer Regimenter frisch geschulter, freiberuflich tätiger Pflegekräfte ja bestens aufgehoben. Ob für ihre Bezahlung aber der Gesamthaushalt unserer Bundesrepublik überhaupt ausreichen wird, damit hat sich der Deutsche Pflegerat nicht befasst.

Für die Ärzte heißt es - frei nach Shakespeare - inzwischen: "Sein oder nicht sein, das ist die Frage". Das jedoch haben die wenigsten von ihnen begriffen - meint

Für Ärzte bleiben bald nur die Härtefälle.

Ihr Ironius

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »