Ärzte Zeitung, 13.02.2009

Fürze setzen Gesundheitsminister unter Druck

Viel Aufregung in Norwegen / Plädoyer für einen vermeintlichen Wunderheiler sorgt für viel Ärger

OSLO (fuh). Der norwegische Gesundheitsminister Bjarne H. Hanssen muss sich gegen den Vorwurf wehren, er habe das öffentliche Gesundheitswesen geschwächt. Dabei hatte er doch nur seinem Sohn helfen wollen, der über allzu starke Blähungen klagte.

Hatte das Beste für seinen Sohn im Sinn: Gesundheits- und Sozialminister Bjarne Håkon Hanssen.

Foto: Scanpix

Der Reihe nach: Im Vorweihnachtsgeschäft 2008 landete eine Biografie über einen Wunderheiler in den norwegischen Bestsellerlisten. Der 83-Jährige Joralf Gjerstad hat, wie die "Frankfurter Rundschau" jetzt berichtete, mehr als 50 000 Menschen geholfen - ohne je da für Geld zu bekommen.

Er selbst habe die Dienste dieses Mannes vor Jahren in Anspruch genommen, berichtete danach Minister Hanssen in den Medien.

Sein Sohn hatte als Baby derart heftige Bauchschmerzen, dass er und seine entnervte Frau aus Verzweiflung bei dem Heiler angerufen hatten. Er werde schauen, was möglich sei, hatte der Heiler geantwortet. "Nach zehn Minuten begann der Kleine zu pupsen, da kam so viel Luft, dass wir dachten, das sei nicht möglich", erinnert sich der Minister. Dann sei der Bengel ohne weitere Probleme eingeschlafen. Wenige Tage später das gleiche Spiel: Wieder eine Kolik, wieder ein Anruf beim Heiler, wieder ein grandioser Pups vom Filius, verbunden mit langem Schlaf. Danach habe es nie mehr irgendwelche Probleme gegeben.

Hanssen war, wie er einräumte, von der Arbeit des Heilers sehr verblüfft. Eigentlich habe er "an diesen Humbug" gar nicht geglaubt.

Jetzt ist der Politiker arg in die Bredouille geraten. Er habe mit seiner Geschichte das Vertrauen ins öffentliche Gesundheitswesen geschwächt, er legitimiere mit seiner Botschaft all die "offensichtlichen Schwindler, die sich in der Heilbranche herumtreiben", kritisieren Tageszeitungen

Wie Hanssens Sohn mit der Tatsache umgeht, das seine Baby-Fürze heute Gegenstand einer öffentlichen Diskussion sind, ist nicht bekannt.

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