Ärzte Zeitung, 26.10.2012

Fundsache

Schokolade macht Nobelpreisträger

Wo viel Schokolade gegessen wird, gibt es auch viele Nobelpreisträger, teilt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit.

Oder, wissenschaftlicher ausgedrückt: zwischen dem Schokoladenkonsum pro Kopf in einem Land und der Anzahl der aus diesem Land stammenden Nobelpreisträger pro 10 Millionen Einwohner gibt es eine signifikante, lineare Korrelation.Gemeldet habe dies im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1562-1564) der Hypertonie-Experte Professor Franz Messerli aus New York.

Nach Messerli kann danach die Zahl der Nobelpreisträger als Surrogatparameter für die kognitive Funktion in der Bevölkerung eines Landes dienen.Um die Schar der Nobelpreisträger eines Landes um die Zahl 1 zu erhöhen, sei rechnerisch ein Schokolademehrverbrauch von 0,4 kg pro Kopf und Jahr erforderlich. Auch Messerli konsumiere täglich Schokolade.

An der Spitze der Länder steht sowohl beim Schokolade-Konsum als auch der einwohnerbezogenen Nobelpreisträgerzahl die Schweiz. Im Mittelfeld liegen die USA, Frankreich und Deutschland, am unteren Ende China, Japan und Brasilien.

Große Ausnahme ist Schweden: Bei jährlich 6,4 kg Schokolade pro Kopf sollte es 14 Nobelpreisträger aufweisen, 32 sind es aber.Die Hypothese: Schokolade mit ihren Flavonoiden erhöht die kognitiven Funktionen, die zweifelsohne für nobelpreiswürdige Leistungen nötig sind, so die DGE.

Der Kommentar des Referenten auf der Homepage der DGE: Schokolade ist offenbar ein Tausendsassa: In zwei Blog-Beiträgen hat die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie wissenschaftliche Arbeiten aus diesem Jahr vorgestellt, wonach durch Schokolade der Body Mass Index und das Schlaganfallrisiko verringert werden.

Jetzt sollen Schokoladeliebhaber auch eher einen Nobelpreis zugesprochen bekommen. Freilich hat Messerli nicht den individuellen Schokoladenkonsum der Nobelpreisträger selbst untersuchen können, die ja überwiegend schon gestorben sind.

In der Länderliste stellt Schweden einen "Ausreißer" dar, und es werden zwei Erklärungen diskutiert. Die erste, von Messerli angeboten, ist echt "wissenschaftlich": Durch eine angeborene Besonderheit seien "schwedische Wissenschaftler besonders sensibel für die gehirnstimulierende Schokoladewirkung".

Die andere klingt eher menschlich: Das die Preise vergebende Nobelkomitee hat seinen Sitz in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin gilt es auch hier, den alten Grundsatz zu beachten: "Assoziationen bedeuten keine Kausalität" (siehe: Störche und Geburtenrate).

In seinen "disclosures" gibt Messerli - der Name klingt recht schweizerisch - an, täglich Schokolade zu konsumieren, meist, aber nicht ausschließlich dunkle Sorten der Firma Lindt. (mal)

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[28.10.2012, 13:42:08]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Messerli und die DGE am Hörnligrat abgerutscht?
Die Schweiz als klassisches Touristen- und Transitland produziert beträchtliche Mengen von Schokolade, welche ausschließlich an Besucherinnen und Besucher diese schönen Landes verkauft wird. Der Pro-Kopf-Inlandsverbrauch steigt dadurch künstlich an und ist keineswegs nobelpreisverdächtig. Und viele, insbesondere dreieckige Schokoladenprodukte, die an das Matterhorn erinnern sollen, werden durch Nüsse, Mandeln und Honig aufgefüllt. Vielleicht sind es ja diese drei Substanzen, die in Schweden neben einem "Heimvorteil" die überhöhte Rate von dortigen Nobelpreisen erklären.

Es gibt übrigens auch "eine signifikante, lineare Korrelation" zwischen dem Verkauf von Einmalwindeln und der menschlichen Reproduktionsrate. Aber niemand käme auf die Idee, durch Überproduktion von Windeln die Zahl der Geburten ankurbeln zu wollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[26.10.2012, 08:46:38]
PD Dr. Thomas Weiser 
Eine wunderbare Arbeit
Phantastisch - diese Arbeit ist nach den Regeln der Kunst durchgeführt und zeigt sehr deutlich auf, was von ggf. statistisch signifikanten Korrelationen zu halten ist. Wie gerne wird doch "signifikant korreliert" mit "kausal" verwechselt. Erfreulich, wenn solche Arbeiten einen hohen Unterhaltungswert haben wie diese; unerfreulich, wenn auf Basis statistisch signifikanter Korrelationen (ohne Beleg der Kausalität) weitreichende Urteile zu Ernährung, Lebensstiländerungen oder Therapien gefällt werden.

Aber vielleicht ist ja doch was dran; ich werde gleich mal die Confiserie meines Vertrauens aufsuchen.... zum Beitrag »

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