Ärzte Zeitung, 25.11.2013

Hobby-Triathleten

Doping und Hirndoping oft gemeinsam

MAINZ. Eine Studie der Unis in Mainz und Tübingen, dass Menschen, die Doping betreiben, oft auch Mittel für Hirndoping nutzen (PloS ONE 2013, online 13. Nov.). In der Studie wurden zum ersten Mal die beiden Kategorien Doping und Hirndoping gleichzeitig abgefragt.

Dazu wurden knapp 3000 Hobby-Triathleten anonym mithilfe eines Fragebogens bei Sportveranstaltungen in Frankfurt, Regensburg und Wiesbaden befragt.

"Die Ergebnisse stimmen mit früheren Befunden über Doping im Freizeit- und Breitensport und Hirndoping in der Gesellschaft insgesamt überein. Sie zeigen aber erstmals auch , dass Doping und Hirndoping zumindest bei Freizeittriathleten oft einhergehen", wird der Mainzer Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Perikles Simon in einer Mitteilung der Uni Mainz zur Veröffentlichung der Studie zitiert.

Die Studie sei mit der "Randomized Response Technique" (RRT) durchgeführt worden, die speziell bei heiklen Fragen eine bessere Abschätzung der Dunkelziffern ermögliche, teilt die Universität Mainz mit.

Demnach wird der Anteil der Sportler, die in den zwölf Monaten vor der Befragung zu illegalen und verbotenen Dopingmitteln gegriffen haben, auf 13,0 Prozent geschätzt. Die Verbreitung von Hirndoping wird mit 15,1 Prozent veranschlagt.

Bei den Dopingmitteln wird zwischen illegalen Substanzen wie Kokain oder Heroin und verbotenen Substanzen zur körperlichen Leistungssteigerung wie anabolen Steroiden, EPO oder Wachstumshormonen unterschieden, die beim Einsatz im Sport verboten sind.

Beim Hirndoping werden illegale Substanzen und Pharmaka zur geistigen Leistungssteigerung wie etwa illegale Amphetamine, Modafinil oder Ritalin erfasst.Den Ergebnissen zufolge liege der Dopinganteil bei männlichen Athleten mit geschätzten 13,7 Prozent höher als bei Frauen mit 8,0 Prozent, berichtet die Universität Mainz.

Auch scheine die Prävalenz für Doping beim European Championship in Frankfurt höher zu liegen als bei den Triathlon-Wettkämpfen in Regensburg und Wiesbaden. Bei den Wettkämpfen absolvierten die Teilnehmer entweder den klassischen Ironman mit knapp 4 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Marathonlauf oder die Hälfte der eigentlichen Ironman-Distanz.

In ihre Befragung im Wettkampfjahr 2011 haben die Wissenschaftler insgesamt 2997 Triathleten aufgenommen. 2987 Fragebögen und damit 99,7 Prozent wurden zurückgegeben. Dabei wurde auch untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Gebrauch legaler und frei käuflicher Mittel zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und dem Gebrauch illegaler und verbotener Substanzen besteht.

Dies sei offenbar insofern der Fall, als dass Sportler, die zu legalen Mitteln zur Leistungssteigerung greifen, eher auch illegale Substanzen verwendeten, heißt es in der Mitteilung der Uni Mainz.

Schließlich sei ein weiterer maßgeblicher Befund der Studie der Hinweis auf die Korrelation zwischen Doping und Hirndoping, die sowohl bei den legalen als auch bei den illegalen Substanzen zu finden ist.

Das heißt also, innerhalb der legalen Substanzen geht die Einnahme von Mitteln zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit relativ oft mit der Einnahme von Mitteln zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit einher, ebenso wie bei der Gruppe der illegalen Mittel Doping und Hirndoping korrelieren.

"Dies deutet darauf hin, dass Athleten die Mittel gar nicht für ein bestimmtes Ziel einsetzen, sondern vielleicht eine gewisse Neigung zur Leistungssteigerung mit Hilfsmitteln an den Tag legen", wird Simon zitiert.

Dieser Befund werde als wichtig erachtet, um vielleicht besser zu verstehen, weshalb Menschen solche Substanzen verwenden und um zielgerichtetere Präventionsarbeit leisten zu können. (eb)

[26.11.2013, 12:15:38]
Dr. Harald Funk 
Studie verwendet unzulässig erweiterte Dopingdefinition.
Die o.g. Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verwendet bei der Befragung von Amateursportlern nach der Verwendung illegaler Dopingsubstanzen nicht die im Sport übliche WADA-Definition (WADA = World Anti Doping Agency), sondern subsummiert unter "illegalem" Doping sämtliche nur in Apotheken erhältliche Substanzen, also neben echten (und damit verbotenen) Dopingsubstanzen auch rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel (wie z.B. Eisenpräparate oder OTC-Vitaminpräparaten), nicht auf der Anti-Dopingliste (und damit im Sport erlaubte) Schmerzmittel wie Aspirin, Voltaren oder Ibuprofen.

Die Originalfrage (im Abschnitt physical doping) lautete:
"Have you used substances which can only be prescribed by a doctor, are available in a pharmacy, or can be bought on the black market (...) to enhance your physical performance during the last 12 months?"

Jeder, der innerhalb der letzten 12 Monate eine Eisen-Tablette eingenommen hat, um damit seine körperliche Leistung (bei vorbestehender Eisenmangelanämie, die unter Ausdauersportlern nicht ungewöhnlich ist) zu steigern, hat sich bei wahrheitsgemäßer Beantwortung dieser Frage als Doper abgestempelt.

Durch diese unscharfe und letztlich falsche Dopingdefinition gelangt die Studie zu einem (mutmaßlich) viel zu hohen Anteil an dopenden Amateurtriathleten, nämlich 13% der Studienteilnehmer.
Legale Mittel wären nach der in der Studie genutzten Begrifflichkeit nur Substanzen, die außerhalb von Apotheken erhältlich sind. zum Beitrag »

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