Ärzte Zeitung, 26.02.2014

Kommentar zum Doping

Immer ein Schritt zu spät

Von Pete Smith

Russische Spitzensportler sollen ihre Leistung seit mindestens zehn Jahren mit Hilfe des Edelgases Xenon steigern, berichten Journalisten des WDR. Die Inhalation des Gases erhöhe sowohl die Ausdauer als auch die Kraft, ohne dass eine Manipulation derzeit nachgewiesen werden könne.

Tatsächlich wird Xenon auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur ebenso wenig aufgeführt wie der jüngst von einem russischen Wissenschaftler zu Dopingzwecken angebotene Wachstumsfaktor Full Size MGF.

Beide Fälle zeigen, dass die Manipulierer den Kontrolleuren immer einen Schritt voraus sind - nicht nur in Russland, sondern weltweit. Das wird sich auch nicht ändern lassen, solange risikobereite Athleten mit Hilfe skrupelloser Wissenschaftler sogar Präparate einnehmen, die nur im Tierversuch erprobt worden sind.

Allerdings lässt sich ihre Hemmschwelle anheben: indem man Doping unter Strafe stellt. Bislang müssen die, die erwischt werden, nur - zum Teil kurzzeitige - Wettkampfsperren fürchten.

Ein Anti-Doping-Gesetz, wie von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geplant, könnte das ändern. Damit riskierten die dopenden Athleten sowie jene, die sie unterstützen, Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Ein überfälliger Schritt.

Lesen Sie dazu auch:
Russland: Xenon-Gas - das neue Dopingmittel?

[27.03.2014, 16:14:15]
Dr. Horst Grünwoldt 
Phantom "Doping"
Meine fundamentale Aussage lautet:
Keine einzige der herausragenden sportlichen Leistungen irgend eines Athleten konnte jemals und nachweislich direkt auf die Einnahme einer "verbotenen" Substanz zurückgeführt und pharmakologisch begründet werden, sondern lediglich durch angeborene -und durch Training ausgeprägte- neuromuskuläre (auch mentale!) und anatomisch-physiologische Besonderheiten des einzelnen Athleten!
Stattdessen dürfen die Spurensucher als sog. Doping-Experten beim positiven oder fehlerhaften biochemischen milli- oder nanogramm- Nachweis einer mehr oder weniger willkürlich "gelisteten" stofflichen Verbindung in Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben stets behaupten, daß erst durch die Einnahme dieser Substanz der Sieg oder Rekord unredlich zustande gekommen sei. Das ist natürlich blanker Unsinn!
Dies halte ich für eine bloße Unterstellung, um als Nutznießer des sog. "Anti-doping-Kampfes" außergewöhnliche Talente als Betrüger ohne sportwissenschaftliche Begründung "im Erfolgsfall" zu überführen. Schließlich hat es zu keiner Zeit kontrollierte "Menschenversuche" gegeben, die die aktuelle oder anhaltende Leistungssteigerung auf die Wirkung einer einzigen Droge zurückführen läßt.
Die pharmakologischen Kurzzeit-Wirkungen wurden entweder an isolierten, tierischen Geweben oder Organen (isoliertem Muskel, Herz oder Darm) beobachtet, konnten aber im Tierversuch an Mäusen, Ratten oder Hunden niemals die sportmedizinische Relevanz im komlexen, menschlichen Organsystem simulieren.
Erst die Saga von leistungssteigernden Wirkungen hat alle kriminellen Geschäftemacher auf den Plan gerufen und die Athleten zu freiwilligen "Versuchskaninchen" mit zweifelhaften Ergebnissen gemacht.
Solange gutgläubige Athleten -und inzwischen sogar Freizeitsportler- durch das Kartell der "Anti-doping-Kämpfer" kriminalisiert werden, wird der Mißbrauch von Arzneimitteln (das sind geprüfte und zugelassene Stoffe zur bloßen Wiederherstellung der Gesundheit nach Verletzungen und Krankheiten) kein Ende finden.
Die gerechte Forderung kann nach m.E. nur heißen: Laßt endlich mündige und aufgeklärte Männer und Frauen sich in freier Entscheidung und auf eigenes Risiko einverlaiben, was ihnen vermeintlich gut tut! (Keine Frage, daß Kindern und Jugendlichen in der körperlichen und geistigen Entwicklung diese Wahl -genau so wie in Ernährungsfragen- wegen der unberechenbaren Folgen im Einzelfall, noch nicht zustehen kann.)
Ansonsten werden die Verdächtigungen gegenüber bewundernswerten Sportlern und die mystischen Vermutungen um das Phantom "Doping" unendlich perpetuiert. Und der Sumpf der Krisengewinnler obsiegt mit Gerüchten über Designer-Drogen und anderen unhaltbaren Versprechungen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[26.02.2014, 12:53:13]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Xenon-Gas - Sturm im Wasserglas?
Die komplette Liste der e r l a u b t e n Mittel, herausgegeben durch Antidoping Schweiz, https://www.antidoping.ch/download/731/de/ offenbart viel zu viele Schlupflöcher. Und Xenon wäre bis auf weiteres inkludiert.

Bei der damaligen Sperre von Frau Claudia Pechstein als Eisschnellläuferin hatten es sich die Doping-Fahnder äußerst einfach gemacht. Denn Ihre Diagnose war und ist: Hereditäre Xerozytose, ähnlich einer Sphärozytose (Kugelzell-Anämie). Ein genetisch autosomal-dominant erblicher Erythrozytendefekt mit klinisch variablem Verlauf, der zu auffälligen Retikulozytenwerten führt und k e i n e Doping-Aktivität belegt. http://www.claudia-pechstein.de/Gutachten/Prof.Eber%2006.02.2011.pdf

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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