Ärzte Zeitung, 02.08.2016

Medica Mondiale

Gezielte Hilfe für geflüchtete Frauen

Zielland Deutschland: Die Frauenrechts- und Hilfsorganisation hat ein Qualifizierungsprogramm für Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe entwickelt. Im Zentrum steht die traumasensible Begleitung von hierher geflohenen Frauen.

Von Ilse Schlingensiepen

MedicaMondial-AH.jpg

Dr. Monika Hauser, die Gründerin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Medica Mondiale.

© Kay Nietfeld / dpa

KÖLN. Novum bei Medica Mondiale: Die international tätige Frauenrechts- und Hilfsorganisation hat 2015 Deutschland zum Projektland erklärt.

Medica Mondiale hat ein Qualifizierungsprogramm für haupt- und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Tätige entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei die stress- und traumasensible Begleitung von geflüchteten Frauen und Mädchen.

Das Projekt ist in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen angelaufen und wird dort vom Gesundheitsministerium gefördert. Es haben bereits drei Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren stattgefunden, und zwar zu den Themen "Umsetzung einer stress- und traumasensiblen Haltung im Arbeitsfeld Flucht und Migration" und "Stress- und Traumasensibilität sowie Gewaltschutz in Unterbringungseinrichtungen, speziell Frauen und Mädchen".

Außerdem hat Medica Mondiale die Mitarbeiter von zwei Einrichtungen geschult. Die Kölner Organisation hat Tipps für den Umgang mit geflüchteten Frauen zusammengestellt.

Seit März auch im Nordirak aktiv

"Politik und Gesellschaft tragen die Verantwortung, jene, die zu uns kommen, zu schützen und ihnen eine Perspektive zu geben", schreiben die Ärztin und Gründerin von Medica Mondiale Dr. Monika Hauser, die geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist, und Geschäftsführerin Christiane Overkamp im Vorwort zum Jahresbericht 2015. "Dazu gehören Sicherheit, Empathie, der Zugang zu Bildung, Arbeit, Sprache und vor allem traumasensible Beratung und Begleitung."

Seit März engagiert sich die Organisation im Nordirak. Auch dort steht ein Qualifizierungsprogramm für die Beratung und Begleitung traumatisierter Frauen und Mädchen im Mittelpunkt. Die ersten fünf Fachkräfte wurden 2015 für die psychosoziale Arbeit mit Überlebenden sexualisierter Gewalt ausgebildet.

Im vergangenen Jahr war Medica Mondiale in 14 Ländern beziehungsweise Regionen aktiv.

Einige Beispiele: Im Kosovo haben 1541 Frauen die gynäkologischen Angebote der Organisation in Anspruch genommen, 215 Frauen haben psychosoziale Gruppen- oder Einzelberatungen erhalten. In Afghanistan erhielten 238 Frauen eine psychologische Notfallberatung am Krankenbett.

43 Projekte wurden gefördert

In Liberia wurden rund 14.000 Frauen, Männer und Jugendliche durch Beraterinnen von Medica Liberia über sexualisierte Gewalt und ihre Folgen aufgeklärt.

2015 hat die Organisation weltweit insgesamt 43 Projekte gefördert.

"Um der Isolation von Frauen im Kontext sexualisierter Kriegsgewalt entgegenzuwirken, gegenseitige Solidarität zu stärken und gemeinsam mehr Druck auf Politik und Öffentlichkeit auszuüben, arbeiten wir gezielt in regionalen und fachlichen Netzwerken und fördern die Vernetzung unserer Partnerorganisationen", heißt es im Jahresbericht.

Und weiter: "Netzwerke bieten die Chance, von anderen zu lernen und unser Fachwissen zum Thema sexualisierte Gewalt weiterzugeben."

Gründung im Bosnienkrieg

Medica Mondiale finanziert sich aus Spenden und Zuschüssen. Die Einnahmen haben 2015 um 9,2 Prozent auf sechs Millionen Euro zugelegt. Zwar gab es bei den Spenden einen Rückgang um 12,6 Prozent auf 3,6 Millionen Euro. Das war aber ausschließlich auf einen Sondereffekt zurückzuführen, nämlich eine hohe Schenkung im Jahr 2014.

"Im Vergleich zum Jahr 2013 konnte eine Steigerung des Spendeneinkommens um 18 Prozent erzielt werden", so der Bericht. Die Ausgaben erhöhten sich im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 5,8 Millionen Euro.

Die Gründung der Organisation Medica Mondiale geht auf das Jahr 1993 – der Zeit des Kriegs in Bosnien – zurück. Derzeit hat die Organisation mit Sitz in Köln 37 hauptamtliche Mitarbeiterinnen.

Die Broschüre mit Tipps zum Umgang mit geflüchteten Frauen ist abrufbar unter:

http://www.medicamondiale.org/fileadmin/redaktion/5_Service/Mediathek/Dokumente/Deutsch/Flyer_Infoblaetter/Tipps_fuer_Fluechtlings-HelferInnen_medica-mondiale_Stand-10-2015.pdf

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »