Ärzte Zeitung, 15.04.2004

Gefahr von Jodmangel bei salzarmer Ernährung

Erhöhter Jodbedarf in Pubertät und Schwangerschaft

MÜNCHEN (wst). Seit 1989 und verstärkt seit 1993 hat sich die Jodversorgung in Deutschland deutlich verbessert. Bei Kindern und Jugendlichen schlägt sich dies bereits in einer deutlich reduzierten Strumahäufigkeit nieder. Bei Erwachsenen und besonderes älteren Menschen sind jedoch Knotenstrumen als Spätfolge eines früheren Jodmangels nach wie vor häufig.

Der entscheidende Durchbruch für eine verbesserte Jodversorgung gelang in Deutschland 1989. Seither darf jodiertes Kochsalz nicht nur in privaten Haushalten, sondern auch in der industriellen Lebensmittelherstellung und in Großküchen verwendet werden. Darauf hat der Endokrinologe Professor Klaus Mann von der Universitätsklinik Duisburg-Essen auf dem von Merck KGaA unterstützten 38. Grünwalder Gespräch im Forsthaus Wörnbrunn bei München hingewiesen.

Ein weiterer Meilenstein war 1993 die Lockerung der Deklarationspflicht für jodiertes Speisesalz. Zuvor war der Hinweis auf den Jodzusatz, der auf den Packungen dominierte, oft als Warnung mißverstanden worden. 80 Prozent der Salzpackungen, die heute in Deutschland über den Ladentisch gehen, sind jodiert, so Mann.

Daß sich die Jodierung von Kochsalz für Haushalt und Lebensmittelproduktion tatsächlich in einer besseren Jodversorgung niederschlägt, belegen epidemiologische Untersuchungen zur renalen Jodexkretion. In der repräsentativen Greifswalder Studie wurde belegt, daß im Jahre 2000 quer durch alle Altersstufen 65 Prozent der Erfaßten über 100 µg Jod pro Liter Harn ausschieden. Das schließt nach WHO-Definition einen Jodmangel aus.

Und: Lag nach Daten der Greifswalder Studie die Strumahäufigkeit bei elf- bis 17jährigen 1991/92 noch bei 36 Prozent, war die Prävalenz in der gleichen Altersgruppe im Jahr 2000 auf neun Prozent gesunken. Bei Erwachsenen ist aber als Spätfolge des bis vor kurzem bestehenden Jodmangels nach wie vor mit einer hohen Rate an Strumen und Knoten zu rechnen, betonte Mann.

Insgesamt ist die Jodversorgung in Deutschland aber noch nicht optimal. Gerade bei einer salzarmen Ernährung, die immer wieder empfohlen wird, sind besonders bei erhöhtem Jodbedarf latente Joddefizite mit der Gefahr einer Jodmangelstruma möglich. Erhöht sei der Jodbedarf etwa in der Pubertät sowie während Schwangerschaft und Stillzeit, sagte Mann. Um auf der sicheren Seite zu sein, sei zumindest in solchen Lebensphasen nach wie vor eine Jodprophylaxe sinnvoll. Das Unternehmen bietet Jodid 100 µg, 200 µg und 500 µg an.

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