Ärzte Zeitung, 26.04.2005

Vorteile für Kombitherapie mit Nikotinsäure

Eine Therapie mit Nikotinsäure plus Statin verbessert das Lipidprofil deutlicher als eine Statin-Monotherapie

BERLIN (hbr). Nikotinsäure ist derzeit das stärkste Mittel zur Steigerung niedriger HDL-Werte und eignet sich zur Kombination mit LDL-senkenden Statinen. Eine solche Kombination zur Kontrolle der Dyslipidämie bei Patienten mit Diabetes oder metabolischem Syndrom läßt eine bessere Reduktion des kardiovaskulären Risiko erwarten als eine Statin-Monotherapie.

"Das bringt uns einen Schritt über die reine Statintherapie hinaus", sagte Professor James Shepherd beim Prädiabetes-Kongreß in Berlin.

Shepherd bezog sich dabei auf die jetzt veröffentlichten Empfehlung des Europäischen Konsensus Panel, eine solche Kombination aus Statinen und Nikotinsäure bei kardiovaskulären Risikopatienten mit niedrigem HDL zu verwenden ("Current Medical Research and Opinion", 2005, 665).

Denn Statine sind zwar Goldstandard bei der LDL-Senkung, sie tun sich aber schwer mit dem Anheben des HDL-Cholesterins: "Mit Statinen managen wir nur das halbe Problem", so der Glasgower Wissenschaftler bei einer Veranstaltung von Merck Pharma. Für die in der Regel erhöhten Triglyzerid- und niedrigen HDL-Werte ist dann ein zweites Präparat nötig.

Nikotinsäure kann Triglyzeride um 26 Prozent senken und HDL-Werte um ein Viertel erhöhen. "Das gesamte Lipidprofil wird günstig beeinflußt", sagte Shepherd. Auch das LDL sinkt. Gleichzeitig nimmt die Größe der LDL-Partikel zu, sie werden lockerer und potentiell weniger atherogen.

Kürzlich hat die ARBITER-2-Studie (Arterial Biology for the Investigation of the Treatment Effects of Reducing Cholesterol) belegt, daß die Kombination eines Statins mit Nikotinsäure tatsächlich die Atherosklerose-Progression bremsen kann. An der Studie hatten 167 Patienten mit KHK und niedrigen HDL-Werten von unter 45 mg/dl teilgenommen. Sie erhielten zusätzlich zu ihrer Statintherapie täglich entweder 1000 mg retardierte Nikotinsäure (Niaspan®) oder ein Placebo.

Das Ergebnis nach einem Jahr: Nur in der Kombitherapie-Gruppe hatte sich der HDL-Wert um 21 Prozent erhöht. Mit Statin-Monotherapie war die Intima-Media-Dicke (IMT) der A. carotis communis signifikant um 0,044 mm gestiegen. Zusätzliche Nikotinsäure dagegen reduzierte das Fortschreiten der Atherosklerose deutlich: Die IMT hatte sich nicht signifikant verändert.

Die Kombitherapie biete eine umfassende Verbesserung des Lipidprofils. So senkte die Therapie mit retardierter Nikotinsäure und Lovastatin in einer anderen Studie mit etwa 800 Teilnehmern das LDL um 47 Prozent, die Triglyzeride um 41 Prozent und erhöhte das HDL um ein Drittel. "Das ist mehr als mit jeder Statin-Monotherapie", sagte Shepherd.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »