Forschung und Praxis, 06.05.2005

Duale Cholesterinhemmung - Rezept für starke LDL-Senkung

In neuer Vergleichsstudie Reduktion um bis zu 59 Prozent erzielt

Je höher das kardiovaskuläre Risiko der Patienten, um so höher werden auch die Anforderungen an eine lipidsenkende Therapie. Seit neuestem wird in aktualisierten Leitlinien den Ärzten nahegelegt, bei Hochrisikopatienten mit einer radikalen Senkung des LDL-Cholesterins auf Zielwerte unter 70 mg / dl zu liebäugeln. Dazu bedarf es starker Lipidsenker. Die gleichzeitige Blockade von Cholesterinproduktion und -resorption scheint ein Rezept zu sein, mit dem sich die neuen Zielvorstellungen in die Tat umsetzen lassen.

Starke Lipidsenkung durch duale Cholesterinhemmung
Mittlere Reduktion des LDL-Cholesterins nach 6 Wochen
im Vergleich zum Ausgangswert
Ergebnisse einer Vergleichsstudie bei 1902 Patienten, deren LDL-Cholesterinspiegel zu Beginn oberhalb der empfohlenen Zielwerte lagen.

Peter Overbeck

Prof Christie Ballantyne: Mit 10 / 40 mg Ezetimib / Simvastatin erreichten 57 Prozent aller Patienten LDL-Werte unter 70 mg / dl. Foto: privat

Die duale Cholsterinhemmung durch gleichzeitige Blockade der hepatischen Biosynthese (durch ein Statin) und der intestinalen Resorption (durch Ezetimib) ermöglicht eine sehr starke Senkung der Cholesterinspiegel. Beide Wirkansätze sind im Präparat INEGY®, das in Deutschland seit etwa einem Jahr auf dem Markt ist, als Kombination Ezetimib / Simvastatin in einer Tablette vereint worden.

Einen Eindruck von der Wirksamkeit dieser Behandlungsstrategie geben die Ergebnisse einer von Professor Christie Ballantyne aus Houston/Texas beim ACC-Kongreß vorgestellten Vergleichsstudie. An dieser Studie haben 1902 Patienten teilgenommen, deren Cholesterinwerte oberhalb der in je nach Risikoprofil empfohlenen Zielbereiche lagen.

Die Studienteilnehmer sind per Zufallsauswahl insgesamt acht Therapiegruppen zugeteilt worden. Sie wurden dann sechs Wochen lang entweder mit Ezetimib / Simvastatin (10 / 10 mg, 10 / 20 mg, 10 / 40 mg oder 10 / 80 mg) oder mit Atorvastatin als Monotherapie in korrespondierender Statindosierung (10 mg, 20 mg, 40 mg oder 80 mg) behandelt.

Auf jeder Stufe sich entsprechender Statindosen wurde mit Ezetimib/Simvastatin eine stärkere Senkung des LDL-Cholesterins (47 - 59 Prozent) erzielt als mit Atorvastatin (36 - 53 Prozent).

Dementsprechend war auch der Anteil der Patienten, die mit ihrem LDL-Cholesterin zu Studienende im empfohlenen Zielbereich lagen, bei dualer Cholesterinhemmung höher als bei Monotherapie mit Atorvastatin. So erreichten beispielsweise mit 10 / 20 mg Ezetimib / Simvastatin 87,6 Prozent und mit 20 mg Atorvastatin 80,9 Prozent eine leitliniengerechte Senkung ihres LDL-Cholesterins.

Für Hochrisikopatienten mit manifester KHK oder Patienten mit vergleichbar hohem Risiko wie etwa Diabetiker empfehlen die neuen US-Leitlinien als "optionales" Ziel auch die Senkung des LDL-Cholesterins auf Werte unter 70 mg / dl. Ballantyne und seine Kollegen haben deshalb auch danach geschaut, wie gut von beiden Therapieregimen diese anspruchsvollere Zielvorgabe erfüllt werden konnte.

Patienten der höchsten Risikokategorie erreichten mit 10 / 20 mg oder 10 / 40 mg Ezetimib / Simvastatin zu 39 Prozent respektive 57 Prozent einen niedrigen LDL-Cholesterinwert unter 70 mg / dl. Bei Behandlung mit 20 mg oder 40 mg Atorvastatin betrug dieser Anteil 18 Prozent und 23 Prozent.

Statine haben außer einer cholesterinsenkenden noch eine antiinflammatorische Wirkung, die möglicherweise zum klinischen Erfolg dieser Therapie beiträgt. Von Interesse ist daher, ob und in welchem Maße diese Wirkkomponente auch bei dualer Cholesterinhemmung zur Geltung kommt.

Gemessen an der Senkung des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein) scheinen Ezetimib / Simvastatin und Atorvastatin von äquivalenter antiinflammatorischer Wirkung zu sein. Nach sechswöchiger Therapie war bei den mit Ezetimib / Simvastatin behandelten Patienten im Mittel über alle Dosisstärken eine CRP-Senkung um 24,8 Prozent zu verzeichnen; in der Vergleichsgruppe mit Atorvastatin-Monotherapie betrug die Reduktion 25,1 Prozent.

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