Ärzte Zeitung, 17.01.2006

Metaanalyse bestätigt: Lipidsenkung nützt!

Gesamtmortalität und Schlaganfallrisiko werden reduziert / Daten von mehr als 90 000 Patienten ausgewertet

BERLIN (grue). Je niedriger, desto besser - für die lipidsenkende Therapie hat sich diese Annahme jetzt in einer Metaanalyse bestätigt. Demnach senken Statine die Gesamtmortalität und das Schlaganfallrisiko, und zwar unabhängig vom Ausgangswert.

Jede Senkung des LDL-Cholesterins um ein Millimol pro Liter (40 mg/dl) vermindert das Risiko, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einer koronaren Herzkrankheit zu sterben, um 19 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für ein erstes schweres koronares Ereignis sinkt um 23 Prozent, für koronare Revaskularisation um 24 Prozent und für Schlaganfall um 17 Prozent.

"Es gibt eine lineare Beziehung zwischen Cholesterinsenkung und Risikoreduktion, die Patienten profitieren also umso mehr, je stärker der Cholesterinwert sinkt", sagte Professor Achim Weizel aus Mannheim bei der Jahrestagung der Adipositas-Gesellschaft in Berlin. Die Analyse der Cholesterol Treatment Trialists' Collaborators, einer Gruppe britischer und australischer Epidemiologen, ist kürzlich im "Lancet" (366, 2005, 1267) erschienen.

Die Wissenschaftler werteten 14 Statin-Studien mit mehr als 90 000 Teilnehmern aus. Demnach senken Statine in allen Risikogruppen das kardiovaskuläre Risiko, also auch bei alten Menschen und Diabetikern. Die Autoren fanden bei den mit Statinen behandelten Patienten kein erhöhtes Krebsrisiko. "Besonders bei Hochrisiko-Patienten sollte das LDL-Cholesterin deshalb stark gesenkt werden, am besten sind vermutlich Zielwerte um die 70 mg/dl", so Weizel.

Das lasse sich aber nur mit Statinen in hoher Dosierung oder durch Kombination von Statinen mit dem Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib erreichen.

Niedrige Cholesterinwerte seien offenbar gesundheitlich unbedenklich, so Weizel. Schließlich hätten Neugeborene nur ein LDL von etwa 40 mg/dl, und auch bei vielen Naturvölkern seien die Blutfett-Spiegel sehr niedrig. Dennoch sei es nicht nötig, das LDL so stark zu senken, "ich denke eher, daß bei 60 mg/dl die Grenze des Machbaren erreicht ist und man dann über eine Anhebung des HDL-Cholesterins nachdenken sollte".

Das funktioniere wohl am besten über eine Hemmung des Cholesterinester-Transferproteins (CETP). Mit Torcetrapib ist ein erster Hemmer dieser Art in der klinischen Entwicklung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »