Ärzte Zeitung, 11.01.2006

Ist HDL bei Alten niedrig, nützt Statin viel

Studie mit über 70jährigen / Bei HDL unter 45 mg/dl hoher Statin-Präventions-Effekt

GLASGOW (ner). Bei Menschen über 70 Jahren, die für eine Statintherapie in Frage kommen, sollte man sich eher am HDL-Wert im Serum als am LDL-Wert orientieren. Denn in dieser Patientengruppe profitierten vor allem jene mit HDL-Werten unter dem Normwert von 45 mg/dl, sagt Professor Chris J. Packard aus Glasgow in Schottland.

Therapieleitlinien, die vor allem auf das LDL fokussieren, seien auf alte Menschen wohl nicht anwendbar, schreiben Packard und seine Kollegen (Circulation 112, 2005, 3058). Denn das Ausgangs-LDL habe bei über 70jährigen keine Auswirkungen auf die Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Rate sowie auf die Sterberate.

Die Internisten hatten 5800 Frauen und Männer mit hohem Risiko für eine koronare Herzkrankheit (Hypertonie, Rauchen, Diabetes, Gesamt-Cholesterinwerte 160 bis 360 mg/dl) und einem Alter von 70 bis 82 Jahren in der PROSPER-Studie mit Pravastatin oder Placebo behandelt (PROSPER steht für Prospective Study of Pravastatin in the Elderly at Risk).

Dabei erwies sich der HDL-Wert als sicherer Prädiktor dafür, ob die Patienten Nutzen aus der Statinbehandlung zogen oder nicht. Teilnehmer mit den niedrigsten HDL-Werten hatten im Vergleich zu denen mit den höchsten ein doppelt so hohes Risiko für koronarvaskuläre Symptome. Bei Patienten mit einem HDL unter 45 mg/dl führte die Pravastatin-Therapie zu einer besonders hohen relativen Risikoreduktion von 33 Prozent im Vergleich zu Placebo (21 Prozent versus 14 Prozent).

Bei HDL-Werten darüber ergab sich kein therapeutischer Nutzen. Der LDL-Wert korrelierte dagegen nicht mit den koronaren Ereignissen und weder die Veränderung des LDL noch das Erreichen definierter Therapieziele hatte Einfluß auf das vaskuläre Risiko.

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