Ärzte Zeitung, 30.06.2006

Intensive Cholesterinsenkung rettet Leben

Eine konsequente Therapie mit Statinen und Ezetimib senkt deutlich das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Egal ob KHK oder Diabetes - eine LDL-senkende Therapie rettet bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko Leben, unabhängig davon, wie hoch der LDL-Anfangswert ist. Das haben inzwischen viele Studien bestätigt.

  • Plaque in einer Arterienwand. Foto: Pfizer
    So wurde mit Simvastatin (als Zocor® sowie generisch erhältlich) erstmals belegt, daß eine Statin-Therapie das Leben von KHK-Patienten verlängert: In der 4S-Studie gab es bei einer Therapie mit Simvastatin im Vergleich zu Placebo 42 Prozent weniger koronar bedingte Todesfälle. Und mit der HPS-Studie wurde gezeigt, daß alle kardiovaskulären Risiko-Patienten von einer Statin-Therapie profitieren: Ob Patienten mit Diabetes oder KHK, nach Apoplexie oder mit AVK, die Rate vaskulärer Ereignisse war bei Patienten, die fünf Jahre lang Simvastatin einnahmen, um ein Viertel niedriger als mit Placebo.
  • Mit Lovastatin (erhältlich als Mevinacor® und generisch) wurde erstmals belegt, daß eine Statin-Therapie auch in der Primärprävention bei nur mäßig erhöhten Lipidwerten nützt: In einer Studie bekamen über 6600 Männer und Frauen ohne bekannte Atherosklerose mit einem LDL-Wert von im Schnitt 150 mg/dl fünf Jahre Lovastatin. Damit kam es zu 36 Prozent weniger Koronar-Ereignissen als mit Placebo.
  • Drei große Studien mit Pravastatin (erhältlich als Mevalotin®, Pravasin® sowie generisch) bei über 20 000 KHK-Patienten sowie Patienten mit erhöhtem Cholesterin hatten ergeben, daß die Mortalität nach 5,6 Jahren mit Pravastatin um 20 Prozent niedriger ist als mit Placebo.
  • Zu Fluvastatin (erhältlich als Cranoc®, Locol®) gibt es auch Studien speziell bei älteren Patienten. In einer Untersuchung bei knapp 3750 Patienten, die im Schnitt 72 Jahre alt waren, ließ sich die Rate für kardiale Ereignisse um 23 Prozent senken, verglichen mit Placebo. Das Statin erhöht auch den HDL-Wert deutlich - in Studien um zwölf Prozent.
  • Mit Atorvastatin (Sortis®) gibt es inzwischen drei große Studien, die den Nutzen einer intensiven Statintherapie belegen. In diesen Studien wurde jeweils eine Therapie mit täglich 80 mg Atorvastatin mit einer klassischen Standardtherapie (10 mg Atorvastatin, 40 mg Pravastatin oder 20 mg Simvastatin) verglichen. Die Studien wurden inzwischen in einer Meta-Analyse ausgewertet, zusammen mit einer Studie, in der Simvastatin hochdosiert gegen Simvastatin niedrig dosiert geprüft wurde. Das Ergebnis: Mit der konventionellen Statintherapie sank der LDL-Wert bei KHK-Patienten von im Schnitt 130 auf 101 mg/dl, mit der hochdosierten Therapie von 130 auf 75mg/dl. Der Unterschied machte sich auch klinisch bemerkbar: In der Gruppe mit hochdosiertem Statin war die Rate für Herzinfarkte und Tod durch KHK um 16 Prozent niedriger (8 versus 9,4 Prozent) als in der konventionell behandelten Gruppe.
  • Eine Therapie mit Rosuvastatin, das in Deutschland noch nicht erhältlich ist, konnte in einer Studie mit über 500 Patienten mit Koronarstenosen den LDL-Wert mehr als halbieren - er sank von im Schnitt 130 auf 61 mg/dl. Gleichzeitig bildet sich die Atherosklerose bei zwei Drittel der Patienten zurück.
  • Mit dem Cholesterin-Resorptionshemmer Ezetimib (Ezetrol®) läßt sich der LDL-Wert um 18 Prozent senken. In Kombination mit einem Statin ist sogar eine LDL-Senkung um bis zu 60 Prozent möglich. In Studien erreichten mit einer solchen Kombination von 10 mg Ezetimib und 20 mg Simvastatin knapp 40 Prozent der KHK-Patienten einen LDL-Wert von unter 70 mg/dl. Ezetimib ist auch als Fixkombination (Inegy®) mit Simvastatin erhältlich. (mut)

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