Ärzte Zeitung, 13.12.2006

Gute Compliance erhöht Schutz vor Herzinfarkt

Tausende Herzinfarkte in Europa wären vermeidbar, wenn Statine nicht abgesetzt oder zu niedrig dosiert würden

UTRECHT (ob). Tausende Patienten erleiden pro Jahr in Europa vermeidbare Myokardinfarkte, weil sie ein verordnetes Statin nicht oder in zu niedriger Dosierung einnehmen. Ärzte sollten ihre auf Statine eingestellten Patienten deshalb unbedingt über die Notwendigkeit der Therapiebefolgung aufklären.

Diese Empfehlung leiten niederländische Wissenschaftler aus Ergebnissen einer neuen Analyse ab, bei der sie die Verordnungsdaten von 59 094 Patienten unter die Lupe genommen haben. Es handelte sich dabei um Patienten, die im Zeitraum zwischen 1991 und 2004 in den Niederlanden erstmals ein Statin verordnet bekamen.

In den ersten zwei Jahren der Behandlung hat ein Team um Dr. Fernie Penning-van Beest aus Utrecht anhand der in einer Datenbank (PHARMO) erfaßten Verordnungsdaten die Befolgung der Therapievorgaben durch die Patienten begutachtet. In Abhängigkeit von der Therapietreue (Persistenz) wie auch von der eingenommenen Statindosis - berücksichtigt wurde dabei auch die unterschiedliche Wirkstärke der einzelnen Statine - hat die Gruppe dann das Risiko für Klinikeinweisungen wegen eines Myokardinfarkts untersucht (European Heart Journal, Online-Veröffentlichung).

    Bei Einhaltung der Therapie 40 Prozent weniger Infarkte.
   

Schon innerhalb der ersten zwei Jahre nach Therapiebeginn brach jeder zweite Patient (53 Prozent) die Statin-Behandlung wieder ab - auch dann, wenn ein hohes kardiovaskuläres Risiko bestand. Nur bei 35 Prozent aller Patienten konstatierten die Untersucher dauerhafte Einhaltung der Therapievorgaben mit Einnahme eines Statins in mittlerer oder höherer Dosierung.

Unabhängig davon, ob die Behandlung als Primär- oder Sekundärprävention einzustufen war, hatten Patienten, die die Therapievorschriften dauerhaft befolgten, ein um 30 Prozent niedrigeres Herzinfarktrisiko als Therapieabbrecher. In der Gruppe mit Primärprävention sank die Rate infarktbedingter Klinikeinweisungen von 0,52 auf 0,42 pro 100 Patientenjahre, in der Gruppe mit Sekundärprävention von 0,86 auf 0,62 pro 100 Patientenjahre.

Die protektive Wirkung erwies sich dabei als dosisabhängig: Nahmen die Patienten Statine in mittlerer oder höherer Dosierung ein, betrug die Risikoreduktion sogar 40 Prozent, eine Low-dose-Statintherapie war hingegen nur mit einem um 20 Prozent niedrigeren Infarktrisiko assoziiert.

Die Untersucher schätzen, daß allein in den Niederlanden jährlich 300 bis 400 Herzinfarkte vermeidbar wären, wenn die Patienten verordnete Statine nicht absetzen oder nicht in suboptimaler Dosierung einnehmen würden. Hochgerechnet auf Europa kommen sie auf die Zahl bis zu 9000 Herzinfarkte pro Jahr, die sich verhindern ließen.

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