Ärzte Zeitung, 05.02.2008

Fruchtzucker treibt die Harnsäure hoch

Wer viel fruktosegesüßte Säfte trinkt, bekommt eher Gicht / Studie über zwölf Jahre mit 50 000 Männern

VANCOUVER (hub). Patienten mit familiärem Gichtrisiko machen besser einen Bogen um Getränke, die mit Fruktose gesüßt sind. Denn je mehr solche Getränke konsumiert wurden, desto größer ist das Risiko, an Gicht zu erkranken. Auch wer schon Gicht hat, verzichtet besser auf solche Getränke.

 Fruchtzucker treibt die Harnsäure hoch

Oft sind Säfte stark mit Fruchtzucker gesüßt. Das treibt den Harnsäurespiegel nach oben.

Foto: Imago

Zu diesem Ergebnis kommt eine prospektive Kohortenstudie mit fast 50 000 Männern. Ausgewertet wurden Daten, die über zwölf Jahre erhoben worden waren. Dabei erkrankten 755 Teilnehmer an Gicht (BMJ online). Die Forscher untersuchten den Zusammenhang von Gicht und dem Konsum fruktosegesüßter Softdrinks. Dabei zeigte sich: Je höher der Verbrauch dieser Getränke lag, desto höher war auch das rechnerische Risiko, Gicht zu bekommen:

  • In der Gruppe, die 3,5 bis 4,5 Softdrinks pro Woche konsumierte, war die Gichtrate 26 Prozent erhöht - im Vergleich zur Gruppe mit weniger als 3,5 Drinks pro Woche.
  • Lag der Konsum der fruktosehaltigen Getränke über 6,5-mal pro Woche, war das Gichtrisiko verdoppelt.

Das heißt, schon ein fruktosegesüßter Softdrink pro Tag verdoppelte die Gichtrate. Das erhöhte Gichtrisiko durch die Getränke war dabei unabhängig von anderen Risikofaktoren wie BMI, Alter, Bluthochdruck, Alkoholkonsum und Ernährung. Diät-Softdrinks, die keine Fruktose, sondern Süßungsmittel enthalten, hatten ebenfalls keinen Einfluss auf das Gichtrisiko.

Ursache des Zusammenhangs ist ein Stoffwechsel-Mechanismus, über den durch die Fruktose vermehrt ATP zu AMP degradiert wird, erläutern die Forscher vom Allgemeinen Krankenhaus in Vancouver. AMP ist ein Vorläufer der Harnsäure. Schon wenige Minuten nach dem Konsum fruktosehaltiger Getränke steigt der Harnsäure-Spiegel im Plasma und anschließend auch im Urin. Durch den Abbau des Purins ATP kurbelt der Körper umgehend die Purinsynthese an. Am Ende steht die Ablagerung von Harnsäurekristallen. Dieser Mechanismus schaukele sich besonders bei Patienten mit Hyperurikämie oder Gicht in der Anamnese auf.

Zumindest für Gicht-Patienten empfehlen die Kollegen, sich wie bisher purinarm zu ernähren und zusätzlich auf fruktosegesüßte Säfte zu verzichten.

STICHWORT

Purine im Web

Purinarme Ernährung ist bei Gicht Pflicht. Eine Übersicht über purinhaltige und purinarme Lebensmittel gibt es beim Verbraucherinformationssystem Bayern im Internet: www.vis.bayern.de - Suchbegriff ist "Purin". Dort können auch Listen als PDF für die Patienten heruntergeladen werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Münchner lernen Zivilcourage

In einem Kurs der Polizei lernen Bürger, wie sie mit Zivilcourage in schwierigen Situationen einschreiten – und sich dabei schützen. mehr »

Zahl importierter Malaria-Erkrankungen stark gestiegen

In den letzten Jahren ist die Zahl der Malaria-Erkrankungen in Deutschland deutlich gestiegen. Die unspezifische Symptomatik führt immer wieder zu potenziell lebensbedrohlichen Fehldiagnosen. mehr »

BGH befreit Durchgangsärzte von Haftung

Für die Folgen eines Fehlers bei der Diagnose und auch der Erstversorgung durch einen D-Arzt haftet nicht der Arzt, sondern die Unfallversicherung. Das hat nun der Bundesgerichtshof klargestellt. mehr »