Ärzte Zeitung, 17.06.2008

Aktionswoche gegen Mangelernährung

Hausärzte und Apotheker sollen im September Ernährungsstatus über 65-Jähriger überprüfen

BERLIN (gvg). Mit einer bundesweiten Aktionswoche soll vom 22. bis 26. September 2008 das Problem der Mangelernährung im Alter in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Hausarztpraxen und Apotheken sind zur Teilnahme aufgerufen.

Im genannten Zeitraum sollen Menschen über 65 Jahre in Hausarztpraxen oder Apotheken ihren Ernährungsstatus überprüfen lassen. Dabei geht es um die Messung des aktuellen Body Mass Index (BMI), aber auch um die Erfassung des Gewichtsverlaufs und um eine Ernährungsanamnese.

Die Aktionswoche trägt den Titel "NutriAction". Initiiert wird sie von dem Unternehmen Pfrimmer Nutricia, das mit einem ähnlichen Programm in anderen Ländern bereits gute Erfahrungen gesammelt hat. So finden in Frankreich seit vier Jahren "NutriAction-Wochen" statt, die sich dem Thema Ernährung im Alter mit wechselnden thematischen Schwerpunkten widmen.

"Wir gehen in den nächsten Monaten über unseren Außendienst, über die Presse und über gezielte Anschreiben auf Ärzte und Apotheker im ganzen Bundesgebiet zu, um sie zur Teilnahme zu bewegen", sagt Dr. Dietmar Stippler von Pfrimmer Nutricia. Parallel dazu soll auch die breite Öffentlichkeit über die Aktion informiert werden. Teilnehmende Ärzte und Apotheker erhalten von Pfrimmer Informationsmaterial und Equipment wie Checklisten und Maßbänder, um Waden- und Bauchumfang zu messen.

Professor Cornel Sieber von der Klinik für Innere Medizin-Geriatrie an der Universität Erlangen betonte, dass Mangelernährung im Alter sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihren medizinischen Folgen stark unterschätzt werde. Problematisch sei vor allem der ambulante Bereich, wo es wenig Überblick gebe über die Zahl der allein lebenden alten Menschen, die nicht optimal für ihre Ernährung sorgen können.

Sieber berichtete von einer Schweizer Untersuchung, in der bei alten, allein lebenden Menschen der Kühlschrankinhalt kontrolliert wurde. "Wenn weniger als drei verschiedene Nahrungsmittel im Kühlschrank waren, lag das Risiko einer Klinikeinweisung in den nächsten zwei Wochen bei dreißig Prozent."

Diese Menschen zu identifizieren um sozial-unterstützende oder medizinisch-therapeutische Maßnahmen ergreifen zu können, das gehört zu den vorrangigen Zielen der NutriAction-Woche. "Klar ist, dass wir die Betroffenen rechtzeitig behandeln müssen. Ziel muss ein BMI von über 22 sein. Wenn der BMI bei alten Menschen erst einmal unter 18,5 gefallen ist, dann bekommen wir ihn nie wieder hoch", so Sieber.

Programm war in anderen Ländern bereits erfolgreich.

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