Ärzte Zeitung, 11.10.2004

"Sprühend, humorvoll und sehr zäh"

Friedensnobelpreis an Wangari Maathai / Tiermedizinerin mit Kontakt nach Deutschland

NEU-ISENBURG (ug). Als genau richtig, verdient und erfreulich wird die Vergabe des Friedensnobelpreises an die Umweltaktivistin Wangari Maathai aus Kenia in aller Welt begrüßt. UN-Generalsekretär Kofi Annan zum Beispiel ist "begeistert". Die Wahl zeige, daß das Nobelkomitee seine Auffassung über die Verknüpfung von Frieden, Entwicklung und Umweltförderung teile, so Annan.

Friedensnobelpreis-
trägerin Wangari Maathai aus Kenia.
Foto: dpa

Begeisterung herrscht auch in deutschen Universitäten, denn Wangari Maathai hat teilweise in Deutschland studiert und unterhält immer noch enge Verbindungen zu deutschen Wissenschaftlern. "Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit", sagt etwa Professor Heribert Hofer, der Direktor des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, der die Kenianerin persönlich kennt. Sie sei "sprühend, energiegeladen, humorvoll und auch sehr zäh, wenn es um ihre Ziele geht".

Für große Freude sorgte die Vergabe des Nobelpreises an Wangari Maathai auch an der Universität Gießen, die der Kenianerin 1992 die Ehrendoktorwürde in Tiermedizin verliehen hat. Nach ihrem Studienabschluß als Tiermedizinerin in den USA hat sie einen großen Teil ihrer akademischen Karriere in der Universitätspartnerschaft Gießen-Nairobi gemacht, teilt die Uni mit.

1965 wurde sie Assistentin bei dem früheren Gießener Veterinärmediziner Professor Reinhold R. Hofmann in Nairobi, der dort von 1962 bis 1971 die Veterinärmedizinische Fakultät mitaufgebaut hatte. Von 1967 bis 1969 hielt sich Wangari Maathai mit einem Doktoranden-Stipendium in Gießen und München auf und erhielt als erste Frau 1971 den Doktortitel der Universität Nairobi. Zwei Jahre später übernahm sie die Leitung des Veterninärmedizinischen Instituts.

Als erste afrikanische Frau erhält Wangari Maathai den Friedensnobelpreis. Das Osloer Nobelkomitee hat die Vergabe am Freitag begründet mit dem Einsatz der 64jährigen für eine "nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden" in ihrem Heimatland und in ganz Afrika. "Maathai denkt global und handelt lokal", sagte der Komiteevorsitzende, der Medizin-Professor Ole Danholt Mj¢s.

Wangari Maathai wird in ihrem Heimatland "Mutter der Bäume" genannt, weil sie sich für die Aufforstung einsetzt. Sie hatte in den 70er Jahren eine Bewegung in ihrem Land zur Verhinderung der Waldzerstörung und zur Wiederaufforstung ("Green Belt Movement"/"Bewegung Grüner Gürtel") gegründet, was ihr 1984 bereits den "Alternativen Nobelpreis" einbrachte. Die jetzige Vize-Umweltministerin von Kenia setzte sich aber zunehmend auch gegen die Verfolgung Oppositioneller, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und gegen Korruption ein. Selbst war sie wegen ihres politischen Engagements mehrfach Mißhandlungen und Festnahmen ausgesetzt.

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