Ärzte Zeitung, 15.11.2004

Mini-Chemie-Labor gewinnt den deutschen Zukunftspreis

Bundespräsident Horst Köhler fordert bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung / Biochip für Blutanalysen geeignet

BERLIN (dpa). Mit einem fingernagelgroßen Chemielabor hat ein Forscherteam aus Itzehoe, Erlangen und München den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Bundespräsident Horst Köhler überreichte die mit 250 000 Euro dotierte Auszeichnung in Berlin.

Die Karte enthält einen Biochip, mit dessen Hilfe sich zum Beispiel Blutproben leicht testen lassen. Fotos (2): Ansgar Pudenz

"Wir versprechen, daß wir alles tun, damit die Produktion unseres Chips auch in Deutschland läuft", sagte der Sprecher der Forscher-Gruppe, Rainer Hintsche vom Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe. Der Forscher hat das Projekt mit Walter Gumbrecht von Siemens in Erlangen und Roland Thewes von Infineon in München entwickelt. Auf dem Chip sind spezielle Fängermoleküle aufgebracht, die eine Schnell-Analyse von Blutproben oder Lebensmitteln möglich machen.

Freuen sich über den Deutschen Zukunftspreis (v.l.): Walter Gumbrecht, Rainer Hintsche und Roland Thewes.

Der Bundespräsident forderte bei der Preisverleihung bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung in Deutschland. "Die Themen Bildung, Wissenschaft und Forschung müssen wirklich erste Priorität gewinnen, damit Deutschland gut in die Zukunft kommt." Zugleich rief er dazu auf, Jugendliche wieder stärker für die Forschung zu begeistern. Durch die öffentliche Anerkennung der Preisträger könnten diese als Vorbilder wirken. "Jeder soll sie kennen", sagte Köhler.

Das "Labor auf dem Chip" funktioniert nach Angaben des Biochemikers Hintsche wie ein chemisches Labor - nur schneller und kompakter. So könnten etwa Blutproben im Schnellverfahren untersucht werden, zum Beispiel um Erreger der Lungenkrankheit Sars festzustellen. Auch in der Lebensmittelanalyse könne der Chip genutzt werden. In einigen Jahren soll die Technik so alltäglich sein wie ein Personal-Computer. Bevor die Innovation in die Massenproduktion gehen könne, benötigten die Forscher, so Hintsche, allerdings noch einen langen Atem.

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