Ärzte Zeitung, 21.03.2006

Ärzte-Initiative will Titel Kulturhauptstadt für Görlitz

Plakatwettbewerb für Schüler der deutsch-polnischen Stadt ausgelobt / Motto: "Ein Traum für alle"

Von Brigitte Düring

Der Wettstreit zwischen den Städten Görlitz-Zgorzelec und Essen um die Kulturhauptstadt Europa 2010 ist Mitte des Monats mit der Präsentation der beiden Kandidaten aus Deutschland vor der europäischen Jury in Brüssel Mitte März in die heiße Phase getreten. Ihrer Stadt den Rücken gestärkt hat dabei auch eine Gruppe niedergelassener Ärzte aus Görlitz mit einem von ihnen ausgelobten Plakatwettbewerb für Schüler und Studenten unter dem Motto "Ein Traum für alle - Kulturhauptstadt 2010".

Regenbogen über Görlitz: erster Preis in der Kategorie Klasse 1 bis 6. Fotos: dür

Dieser Wettbewerb stieß sowohl bei der deutschen und der polnischen Jugend der deutsch-polnischen Stadthälften an der Neiße auf ein riesiges Echo als auch in der Ärzteschaft. Die Ärzte hätten so viel für die Prämierung gespendet, daß die ursprünglich angedachten Preise verdoppelt werden konnten, erzählt Dr. Christian Haferland, einer der Initiatoren, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Zweisprachigkeit betont: Den zweiten Preis in der Kategorie Klassen 7 bis 12 hat dieses Schülerplakat bekommen.

Obwohl gebürtiger Berliner, fiebert er ebenso wie viele seiner Kollegen und wohl jeder in der Kandidaten-Stadt mit um den Aufstieg aufs Siegertreppchen. "Für die Entwicklung der ganzen Region könnte der Titel einen gehörigen Schub nach vorne bedeuten", sagt er.

Denn am östlichsten Zipfel Deutschlands ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch. Deshalb bleibe gar nichts anderes übrig, als auf den Tourismus und die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen zu setzen, zumal Görlitz und Zgorzelec mit reichen kulturellen Traditionen von europäischer Bedeutung aufwarten können, meint Haferland.

Nahezu alle deutschen und polnischen Schulen haben Plakatentwürfe für den Wettbewerb eingereicht. Aus insgesamt 192 Entwürfen hat die Jury getrennt nach erster bis sechster und siebenter bis 12. Klasse je drei Preisträger ermittelt. Darüber hinaus haben die Ärzte noch Sonderpreise für besonderes Engagement vergeben.

Diese Sonderpreise seien so ausgewählt, daß sie die Kommunikation zwischen Schulklassen aus beiden Städten fördern, etwa durch gemeinsamen Theaterbesuch mit Führung hinter der Bühne, durch einen Erlebnisnachmittag im Tierpark oder den Besuch einer Kunstausstellung in Dresden, erklärt der niedergelassene Internist.

Noch vor der feierlichen Preisvergabe im Görlitzer Theater hatte die Initiativgruppe der Ärzte aus den Arbeiten, die ihnen am besten gefielen, zwölf Werke ausgewählt und damit einen Kalender gestaltet, der reißenden Absatz fand und jetzt weiter in den Praxen vertrieben wird.

Zur Prämierung kamen trotz Schneechaos’ etwa 400 Schüler, Eltern und Ärzte ins Theater. Sie erwartete ein buntes Programm, das die Ärzte mit Musik für Klavier und Geige und der Sängertruppe "Medical Harmonist" selbst bestritten - selbstverständlich lief es zweisprachig ab, das ist in Görlitz so üblich.

Zwischendurch stellten Vertreter der Jury, darunter auch Künstler, die prämierten Arbeiten in Großformat vor. Die Sieger konnten je zweimal 300, 150 und 100 Euro in Empfang nehmen. Zum Abschluß gab’s für alle Kaffee, Kuchen und Eis.

"Selbst wenn die Entscheidung im Sommer gegen Görlitz-Zgorzelec ausgehen sollte - was eigentlich keiner in der Stadt glaubt - "haben wir jetzt schon gewonnen", sind Haferland und seine Kollegen überzeugt: In der "einstmals grauen Maus" Görlitz, so Haferland, pulst jetzt das Leben, der historische Stadtkern - ein Ensemble aus Gotik und Renaissance - hat sich fein herausgeputzt, nach der wiederhergestellten Brücke für den Verkehr gibt es seit letztem Jahr auch eine weitere Fußgängerbrücke zwischen Görlitz und Zgorzelec, zweisprachige Beschilderung ist bis in die Einkaufsregale der Geschäfte hinein normal geworden.

Der Theaterintendant hat ein volles Haus, seit Hartz-IV-Empfänger nur einen Euro Eintritt zahlen, das deutsch-polnische Jazzfest und ein trinationales Straßentheater sind Tradition geworden und, und und..., gerät Haferland ins Schwärmen.

Eben "aus dem Nirgendwo ins Herz Europas", wie die Stadt ihre Präsentation betitelt hat.

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