Ärzte Zeitung, 12.06.2006

"Er verkörpert die Einheit von Naturwissenschaft und Medizin!"

Von Erland Erdmann

Ernst Mutschler nahm sich trotz all seiner wissenschaftlichen Arbeit die Zeit, sich auch um die Gesundheitspolitik zu kümmern und Fehlentwicklungen öffentlich provozierend deutlich beim Namen zu nennen.

Als Kenner der Arzneimittelforschung lehnte er die Verunglimpfung von Me-too-Präparaten ab, und er wies mehrfach publizistisch darauf hin, daß pharmakokinetische und pharmakodynamische Weiterentwicklung bewährter Substanzen segensreich für Patienten sein und außerdem oft zu komplett neuen Wirkstoffen führen können.

Sein Satz "Es wäre fahrlässig, von Austauschbarkeit von Pharmaka zu reden, wo Austauschbarkeit wissenschaftlich nicht bewiesen ist" hat viele in unserem Lande aufgerüttelt, die Fakten für wichtiger halten als die opportunistische Wiederholung politisch motivierter Vereinfachung und Diskreditierung.

Mit einem bemerkenswert tiefgehenden Wissensfundus verkörpert Ernst Mutschler wie kaum ein anderer die Einheit von Pharmakologie und Toxikologie, von reiner Naturwissenschaft und angewandter Medizin.

Als mein Vorgänger im Amt des Vorsitzenden für den Galenus-von-Pergamon-Preis hat Ernst Mutschler sich national und international besonders für die Stärkung innovativer Arzneimittelforschung eingesetzt.

Mit großem Geschick wies er auf die Bedeutung der kompetitiven industriellen Arzneimittelforschung aber auch der weiterführenden präzisen und kritischen Gedanken des Universitätsforschers hin. Ein großartiges Wissenschaftlerleben liegt hinter ihm.

Lieber Ernst, man sagt immer ad multos annos. Ich möchte Dir zurufen: Mach weiter so!

Prof. Dr. med. Erland Erdmann ist Kardiologe an der Universität Köln

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