Ärzte Zeitung, 17.01.2007

Gute Organisation in Kliniken lässt Zahl der Organspenden steigen

Stiftung für Organtransplantation zeichnet drei Häuser für ihr Engagement aus

HANNOVER (Eben). Wie können Kliniken für mehr Spenderorgane sorgen? Erstmals hat die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO), Region Nord, Krankenhausverwaltungen nach ihren Strukturen befragt. Drei Häuser wurden für besonders gut organisierte Abläufe ausgezeichnet.

Vorbereitungen zur Organspende in der Transplantationsambulanz - die Abläufe sind in den einzelnen Kliniken ganz unterschiedlich geregelt. Foto: imago

"Wir haben bewusst nicht nach den Entnahmezahlen gefragt", sagt Professor Lutz Fricke, Internist an der Uni-Klinik Lübeck, "sie können von allen möglichen Kriterien abhängen." Fricke hat den Fragebogen erarbeitet, den die DSO an die 200 Häuser in Niedersachsen, Bremen, Schleswig Holstein und Hamburg geschickt hat.

Die Fragen lauteten unter anderem: Wie viele Fortbildungen hält das Krankenhaus zu Organentnahmen ab? Gibt es zugängliches Informations-Material für Patienten? Wird im Internetauftritt des Hauses für die Organspende geworben? Gibt es Ablaufpläne von der Hirntotdiagnostik bis zur Explantation? Gibt es Transplantationsbeauftragte?

"Die DSO hat schon mehrere derartige Befragungen gemacht", sagt Dr. Nils Frühauf von der DSO, Region Nord, "aber noch nie wurden explizit die Strukturen ins Zentrum gestellt. Wir wollten wissen, wie ernst es den Häusern ist." 75 Kliniken haben auf den Fragebogen geantwortet. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Häuser aller Versorgungsstufen günstige Bedingungen für die Organentahme bereitstellenkönnen.

Die Regelung in Lübeck, wo Mitarbeiter der neurologischen Abteilung der DSO jeden Gestorbenen melden, trägt dazu bei, der DSO bessere Daten über potenzielle Organspender zu verschaffen. In der Hamburger Klinik läuft die Dokumentation anders. Dort sollen die Mitarbeiter bei jedem gestorbenen Patienten ihren Chefs Rechenschaft ablegen, ob möglicherweise explantiert werden kann.

"Das Verfahren läuft reibungslos", sagt Chefarzt Dr. Oliver Ditsch. Überhaupt gehe es vor allem um die "schlichte Bereitschaft" in den Kliniken, meint Ditsch. "Wenn sie da ist, dann kann im Fall des Falles auch außer der Reihe ein OP für eine Explantation frei gemacht werden."

Was für die Jury prämierungswürdig war

Die drei ausgezeichneten Häuser, die Hamburger Asklepios Klinik Nord/Campus Heidberg, das Evangelische Krankenhaus Oldenburg/Niedersachsen und die Uni-Klink Lübeck, weisen nach Ansicht der Jury die besten Bedingungen auf, um Organentnahmen zu begünstigen. So hat etwa der Vorstand der Evangelischen Krankenhauses in Oldenburg für die Mitarbeiter verbindliche hausinterne Richtlinien zur Organentnahme erlassen. Wie in Lübeck und Hamburg gibt es auch in Oldenburg regelmäßige Schulungen des medizinischen Personals für das Angehörigengespräch. In Lübeck haben sich die Mitarbeiter in der neurologischen Intensivstation zudem verpflichtet, jeden gestorbenen Patienten an die DSO zu melden.

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