Ärzte Zeitung, 10.10.2012

Zeitungsproduktion

Vom Bleisatz zur Elektronik

In den 1970er und 1980er Jahren herrschte in Redaktionen ein Umbruchprozess: Vom Bleisatz wurde auf elektronische Systeme umgesattelt. In dieser Phase startete auch die "Ärzte Zeitung".

Vom Bleisatz zur Elektronik

Innenansicht einer Druckerei: Die Vervielfältigungstechnik von Zeitungen braucht - bis in die heutige Zeit - sehr viel Platz.

© imago/bonn-sequenz

NEU-ISENBURG (bee). Manuskripte per Schreibmaschine erstellt und mit dem Fax verschickt; Bilder mit "reitenden Boten" an die Druckerei gesendet - Erinnerungen des ersten Verlegers der "Ärzte Zeitung", Klaus Rehnig, an die Produktion in den ersten Jahren.

Der "reitende Bote", ein motorisierter Kurier, musste die rund 200 Kilometer zwischen den Redaktionsräumen in Neu-Isenburg und der Druckerei in Kassel (dort wurde bis Ende 2010 gedruckt) überwinden - die Entfernung war damals noch ein Zeitfaktor.

Die Produktion von Tageszeitungen stand in den 1970er und 1980er Jahren unter gewaltigem Innovationsdruck: Die Ansprüche der Leser an die Optik der Zeitungen stiegen stark an, schließlich waren sie durch immer mehr Illustrierte und das immer buntere Fernsehen an Farbe und große Bilder gewöhnt.

Zusätzlich wurde in Deutschland in einzelnen Pilotprojekten ab Mitte der 1980er Jahre schrittweise das Privatfernsehen eingeführt - das mischte die Medienpolitik und den Markt stark auf. Werbekunden, die eine Haupteinnahmequelle von Zeitungsverlagen sind, forcierten die Entwicklung, da sie mit bunten Anzeigen für ihre Produkte werden wollten.

Drucktechnik war lange vom Bleisatz beherrscht

Vom Bleisatz zur Elektronik

Wie kommen Bilder in die Zeitung? Mit einem Telebildsender kamen Agenturbilder in die Redaktion.

© Hell Verein

Obwohl es in den Wirtschaftswunderzeiten eine rasante technische Entwicklung gab, blieb der Zeitungsdruck selbst -  also die Technik, wie Buchstaben auf Papier gedruckt werden - noch lange auf dem Stand der Buchdruckerfindung von Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts.

Die Vervielfältigung der Zeitung war davon nicht betroffen -  hier hielt die Technik mit dem Zeitgeist Schritt, es konnten über Nacht hohe Auflagen gedruckt werden.

Der Zeitungsdruck wurde bis Anfang der 1980er Jahre vom Bleisatz beherrscht, der sehr zeit- und arbeitsaufwendig war: Nachdem ein Text geschrieben und bearbeitet war, musste er acht weitere Arbeitsschritte durchlaufen, bis er auf Papier gedruckt werden konnte.

Das Manuskript musste von einem Setzer in eine Matrize eingefügt werden, später wurde das Blech mit Blei ausgegossen. Nach weiteren Arbeitsschritten wurden die Buchstaben und Zeilen in einen Rahmen in der Größe einer Zeitungsseite angepasst.

Mit Einführung elektronischer Systeme konnten die Arbeitsschritte deutlich reduziert werden, statt zehn (Bleisatz), auf sechs (elektronisches System) und Jahre später auf vier.

Setzer und Metteure verloren ihren Arbeitsplatz

Mit dem Wechsel von Bleisatz auf Elektronik änderten sich Arbeitsabläufe -  und als Nebeneffekt ging der Bierkonsum in Druckereien zurück: Der Bleigeruch, so beschrieben es damals Beschäftigte, trocknete die Kehle aus und machte Durst. Es blieb häufig nicht nur bei einem Schluck Bier - Alkoholismus war in Druckereien ein großes Problem.

Entscheidend waren aber die Veränderung für die Berufsgruppen: Durch die neue Technik fiel zunächst die Arbeit der Setzer weg, später wurden auch Metteure ersetzt. Ihre Arbeit wurde von Redaktionscomputern übernommen.

Nach Gewerkschaftsangaben verloren zwischen 1974 und 1982 rund 36.000 Menschen in der Branche ihren Arbeitsplatz. Durch den Innovationsschub in der Produktionstechnik mussten gleichzeitig Journalisten immer mehr technische Aufgaben übernehmen.

Auch bei der "Ärzte Zeitung" wurde im April 1984 die Computertechnik eingeführt - in der Zentralredaktion wurden Schreibmaschinen gegen Redaktionscomputer getauscht -  an 44 Arbeitsplätzen standen Röhrenbildschirme mit monochromer Darstellung, die Festplatten konnten damals nur 300 Megabyte speichern und waren groß wie Sahnetorten.

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