Ärzte Zeitung, 01.06.2011

Tauben Kindern die Welt des Hörens schenken

Kandidat für den Springer Medizin CharityAward 2011: Taube Kinder lernen hören

Tauben Kindern die Welt des Hörens schenken

Jeden Tag werden in Deutschland ein bis zwei gehörlose Kinder geboren. Erhalten sie früh ein Cochlear-Implantat, können sie hören und sprechen lernen wie Kinder ohne Hörschaden. Hilfe kommt von "Taube Kinder lernen hören".

Von Ursula Armstrong

Tauben Kindern die Welt des Hörens schenken

Wer nicht hören kann, dem bleibt ein großer Teil der Welt verschlossen.

© sonya etchison / fotolia.com

Verschmitzt lächelnd schaut ein kleines Mädchen zur Seite, als hätte sie etwas Außergewöhnliches gehört, in den Augen der Ausdruck von großer Begeisterung.

Wer die Website des Fördervereins "Taube Kinder lernen hören" anklickt, muss unweigerlich lächeln und versteht sofort, was gemeint ist mit dem einzigen Satz auf der ersten Seite: "Wenn ein taubes Kind die Welt des Hörens entdeckt -das ist ein Erlebnis, das niemand mehr vergisst!".

Jeden Tag werden in Deutschland ein bis zwei gehörlose Kinder geboren. Bei weiteren Kindern führen Infektionen zu schweren Hörschädigungen. Ein frühes Cochlear-Implantat ermöglicht es ihnen, zu hören und sprechen zu lernen wie Kinder ohne Höreinschränkungen.

Bei einem Cochlear-Implantat werden mikrochirurgisch Elektroden ins Innenohr implantiert. Außerdem gehören ein Mikrofon und ein Sprachprozessor dazu, die wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen werden. Das Gerät überträgt die Laute als Signale über das Implantat zum Hörnerv in der Cochlea.

Mit dem Implantat kommt das Leben zurück

Taube Kinder lernen hören

Tauben Kindern die Welt des Hörens schenken

Cochlear-Implantate ermöglichen tauben Kindern das Hören und damit auch das Sprechen. Über diese erfolgreiche Behandlungsmöglichkeit informiert der Förderverein "Taube Kinder lernen hören" durch Öffentlichkeitsarbeit und bei Veranstaltungen.

Der Verein, der vor 15 Jahren gegründet wurde und heute etwa 100 Mitglieder hat, unterstützt durch Mitgliedsbeiträge und gesammelte Spenden Ausbau und Ausstattung des Implant Centrums der Universitäts-HNO-Klinik Freiburg.

Jährlich werden hier 250 Patienten, meist Kinder, mit Cochlear-Implantaten versorgt. Damit ist sogar bei gänzlich taub geborenen Kindern eine weitgehend normale Sprachentwicklung möglich. Das Centrum übernimmt auch die notwendige, meist lebenslange, Nachbetreuung, da Implantate regelmäßig angepasst werden müssen.

Weitere Ziele von "Taube Kinder lernen hören" sind die finanzielle Unterstützung der Forschung und der technischen Entwicklung. (ug)

www.taube-kinder-lernen-hoeren.de

Dass diese Systeme gehörlosen Kindern eine weitgehend normale Sprachentwicklung ermöglichen, ist erst im vergangenen Jahr in einer US-Studie nachgewiesen worden (JAMA 2010, 303: 1498): Bekamen taube Kinder bereits vor dem 18. Lebensmonat ein Cochlear-Implantat, hatten sie als Dreijährige eine Sprachverständigung wie normal hörende Kinder.

Je später sie mit einem Implantat versorgt wurden, desto länger dauerte die Phase des Aufholens.

Der Förderverein "Taube Kinder lernen hören" hat das Ziel, möglichst vielen tauben Kindern möglichst früh zu dieser Behandlung zu verhelfen. Dazu unterstützt der Verein das Im-plant Centrum Freiburg (ICF) der Universitäts-HNO-Klinik. Das ICF besteht seit etwa 18 Jahren.

Bisher sind über 2000 Patienten mit Cochlear-Implantaten versorgt worden. Jährlich kommen 250 Patienten dazu. Die meisten sind Kinder, aber auch spät ertaubte Erwachsene können mit Implantaten wieder hören und ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen.

Das ICF übernimmt nicht nur die Operationsvorbereitung, sondern auch die unverzichtbare Langzeitbetreuung. Denn ein optimales Hör- und Sprachvermögen erfordere lebenslange Anpassung und Betreu-ung - und das zwei bis drei Mal pro Jahr.

Die Patienten werden nach der Operation fachpädagogisch und logopädisch betreut, denn sie sollen mit der für sie oft ganz neuen Erfahrung des Hörens nicht alleine gelassen werden. Auch eine psychologische Begleitung wird angeboten. Alle Patienten werden bei jedem Aufenthalt von einem HNO-Facharzt untersucht. Mit ausführlichen Hör- und Sprachtests wird jeweils das Sprachverstehen ermittelt.

Das neue Hören kann auch im Klanggarten des Centrums getestet und erlebt werden. Hier können die Kinder Klangveränderungen wie laut-leise, hoch-tief und schnell-langsam erfahren und spielerisch an Instrumenten ausprobieren.

Da gibt es ein Lithophon, ein großes Xylo-phon aus Stein, einen Summstein oder eine Kling-Klang-Scheibe. Der Klanggarten soll die Kinder motivieren, sich auf den Hörprozess einzulassen. Über das Spiel erleben sie so, dass Hören Spaß machen kann.

Alle Mitglieder im Verein arbeiten ehrenamtlich

Dieser Klanggarten wurde 2008 ein-gerichtet und vom Förderverein "Taube Kinder lernen hören" mitfi-nanziert. Der Verein besteht seit 15 Jahren und hat heute etwa 100 Mitg-lieder. Alle, die in der Fördergesell-schaft tätig sind, arbeiten zu 100 Prozent ehrenamtlich, erklärt Professor Roland Laszig, der Ärztliche Direktor der Universitäts-HNO-Klinik und des ICF.

Alle Spenden, die der Verein sammelt, würden zu 100 Prozent dem ICF zur Verfügung gestellt. Zurzeit dienten sie zum Beispiel dem Ausbau des Centrums. "Notwendigerweise auftretende Kosten, zum Beispiel für Porto oder Drucksachen, werden entweder privat von Vorstandsmitgliedern getragen, oder es werden dafür gezielt Sponsoren gesucht", so Laszig.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres zentrales Anliegen. Die Möglichkeit, die die Behandlung mit Cochlear-Implantaten bietet, soll bekannter werden. Bei Dinnershows und "Lite-rarischen Soirées" wird deshalb im-mer wieder die zentrale Botschaft vermittelt: dass taube Kinder hören lernen können.

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Die Ausschreibung für den Charity Award 2010

Am 20. Oktober 2011 wurde von Springer Medizin zum 3. Mal der CharityAward verliehen.

Mit diesem Preis wird das herausragende Engagement einer Stiftung / Organisation / Institution ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlt.

Damit würdigt die Fachverlagsgruppe die vielen Menschen, die Tag für Tag ehrenamtlich für Patienten, ihre Angehörigen sowie für andere bedürftige Gruppen unverzichtbare Dienste leisten.

Der Preis ist mit einem Springer Medizin-Medienpaket im Wert von 100.000 € dotiert.