Ärzte Zeitung, 04.07.2010

Höhenflug der deutschen Nationalmannschaft hält an

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Nach dem grandiosen Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ist der Optimismus groß: Das Team hat alle Chancen, im Halbfinale auch den Europameister Spanien zu schlagen.

KAPSTADT/ERASMIA (dpa). Auf zur großen EM-Revanche. Nach dem weltmeisterlichen Torwirbel gegen Argentinien fürchten Deutschlands umjubelte Fußball-Helden auch Europameister Spanien nicht. Vielmehr will das junge Team von Taktikfuchs und Motivations-Künstler Joachim Löw das südafrikanische Wintermärchen nun mit dem Titelgewinn krönen.

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Hoch, höher, am höchsten: Thomas Müller machte wieder ein herausragendes Spiel, fehlt aber im Halbfinale gegen Spanien.

© Imago

"Wenn man im Halbfinale steht, will man mehr - klar", sagte Kapitän Philipp Lahm nach dem grandiosen 4:0-Sieg am Samstag im WM-Viertelfinale gegen Diego Maradona, Lionel Messi & Co. in Kapstadt.

"Das war Champions-Niveau", schwärmte Bundestrainer Löw nach der nochmaligen Steigerung nur wenige Tage nach dem weltweit bestaunten 4:1 im Achtelfinale gegen England. "Wir haben den Gegner zerlegt", stellte Abwehrspieler Arne Friedrich begeistert fest. Dem 31-Jährigen gelang im 77. Länderspiel sein erstes Tor für Deutschland. Der in seinem 100. Länderspiel gleich zweimal erfolgreiche Miroslav Klose sowie Jungstar Thomas Müller erhöhten ihr WM-Konto auf jeweils vier Tore. Beide sind damit heiße Anwärter auf die WM-Torschützenkrone.

Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona zeigte sich nach der Niederlage extrem niedergeschlagen. "Mit meinen 50 Jahren, die ich am 30. Oktober vollende, ist dies der schwerste Augenblick meines Lebens", sagte er. "Das ist wie ein Faustschlag von Muhammad Ali, ich habe zu nichts mehr Kraft."

Noch ein schwerer Weg bis zum Titel

Angst vor den Spaniern, die vor zwei Jahren die DFB-Auswahl bei der EM überlegen mit 1:0 im Endspiel von Wien besiegten, hat in Deutschland niemand. "Ich spiele immer am liebsten gegen die Stärksten der Welt", sagte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, dem Trainer Löw gegen die Argentinier eine "grandiose" Leistung als Mittelfeldchef bescheinigte. Die EM-Revanche findet am Mittwoch in Durban statt. Einen Tag zuvor ermitteln die Niederlande und Uruguay den ersten WM-Finalisten.

England, Argentinien, Spanien und womöglich die Niederlande im Endspiel - schwerer könnte der Weg zum "4. Stern für Deutschland" kaum sein. "Gegen Spanien sind wir nicht Favorit", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Die Spanier, die sich am Samstagabend mit großer Mühe in ihrem Viertelfinale mit 1:0 gegen Paraguay durchsetzen konnten, hätten nach ihrer Auftaktniederlage gegen die Schweiz (0:1) gezeigt, "dass sie als Mannschaft da sind", betonte Bierhoff: "Sie haben hervorragende Spieler, die den Gegner im Griff haben."

Das gilt gerade für den fünffachen WM-Torschützen David Villa, der auch gegen Paraguay der Match-winner beim Europameister war. "Aber wir haben schon auch einen psychologischen Effekt erzielt, sodass die Spanier noch mehr Respekt vor uns haben werden", meinte Bierhoff.

Der Fußball-Rausch in Deutschland erfasste auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Green Point Stadion erst auf der Tribüne die Tore bejubelte und dann dem Team in der Kabine gratulierte. Ihre Ansprache sei "euphorisch" gewesen, berichtete Lahm: "Sie war auch begeistert von dem Spiel." Bitter war nur, dass Jungstar Müller die zweite Gelbe Karte im Turnierverlauf sah und damit im Halbfinale gesperrt ist. "Sein Ausfall wiegt natürlich schwer", sagte Löw: "Aber wir haben Spieler, die Thomas Müller ersetzen können." 100 000 Euro WM-Prämie hat jeder der 23 deutschen Spieler bereits eingespielt.

Joachim Löw ist fraglos der Vater des bisherigen deutschen Erfolgszuges in Südafrika. Der 50-Jährige entzauberte Maradona im Trainerduell mit einer weiteren taktischen Meisterleistung. Löw hatte die Schwächen der Südamerikaner genau erkannt. "Sie sind eine zweigeteilte Mannschaft", erläuterte er die fehlende Balance und Zusammenarbeit zwischen Offensiv- und Defensivspielern. "So entstehen Lücken, wenn man mit Tempo kommt. Ich habe zu unseren Spielern gesagt: Ihr seid jünger, ihr seid schneller, ihr seid ausdauernder. Es ist uns gelungen, ihre Abwehr zu entblößen", frohlockte Löw.

"Klose machte den Sack zu"

Frustriert gab sich nach dem Spiel die argentinische Presse. "Schweiß und Tränen. Argentinien zerschellte an der deutschen Standfestigkeit und hat sich wie vor vier Jahren im Viertelfinale verabschiedet. Dieses Mal war es schlimmer - wegen der Prügel. Das Tor Müllers nach zwei Minuten traf uns erheblich, Diego fand keine Antworten und Klose machte den Sack zu", schreibt die Zeitung "Ole". Und "La Nación" kommentierte: "Ein schmerzhaftes Ausscheiden: Deutschland hat Argentiniens Schwächen offengelegt und das Land der WM beraubt."

Nach dem Ausscheiden der eigenen Mannschaft im Viertelfinalspiel gegen die Niederlande zollten auch brasilianische Blätter der deutschen Mannschaft großen Respekt:

"Terra" schrieb: "Deutschland hat Maradonas Argentinien nicht zur Kenntnis genommen und heute mit einem Massaker von 4:0 in Kapstadt seine Qualifikation fürs WM-Semifinale gesichert."

Und "O Globo" analysierte das Spiel so: "Deutschland demütigt Argentinien mit 4:0. ... Unter dem Kommando von Schweinsteiger gewinnt die deutsche Auswahl und schickt die Hermanos (Argentinien) nach Hause. Deutschland hat das Maradona-Team verdroschen mit dem schnellsten Tor der WM."

Weitere Berichte zur FIFA WM 2010 und Informationen zum WM-Tippspiel finden Sie auf unserer Sonderseite

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