Ärzte Zeitung, 24.06.2011

Im Fußball ist der kleine Unterschied ganz groß

Am Wochenende beginnt sie nun, die Frauenfußball Weltmeisterschaft in Deutschland. Für gute Stimmung wird gesorgt sein: An den acht Spielorten wurden bereits rund 700.000 Tickets verkauft. Dr. Ingo Tusk wird in Frankfurt Spielerinnen und Schiedsrichterinnen als "Venue Medical Officer" betreuen.

Von Pete Smith

 Im Fußball ist der kleine Unterschied ganz groß

Dr. Ingo Tusk ist für den Spielort Frankfurt der "Venue Medical Officer".

© Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. "20Elf von seiner schönsten Seite" lautet das Motto der 6. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen, die am Sonntag in Berlin angepfiffen wird. Deutschlands Spielerinnen wollen ihren WM-Titel verteidigen und werden bei ihrer Mission von vielen Helfern unterstützt.

Einer ist Dr. Ingo Tusk, Mannschaftsarzt des 1. FCC Frankfurt und während des dreiwöchigen Turniers "Venue Medical Officer" für die Main-Metropole.

"Als ärztlicher Manager koordiniere ich während der WM die gesamte medizinische Versorgung in Frankfurt am Main", erläutert der 45-jährige Orthopäde. "Im Vorfeld habe ich ein Team von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen zusammengestellt, die theoretisch 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen."

Zu betreuen sind dabei nicht nur die Spielerinnen, sondern auch die Schiedsrichterinnen sowie die Ehrengäste und Funktionäre, sollte einer während der vier angesetzten Spiele in Frankfurt ärztliche Hilfe benötigen. "Wir garantieren für eine medizinische Versorgung der kurzen Wege auf hohem Niveau."

Während der WM treten in vier Gruppen insgesamt 16 Mannschaften gegeneinander an. Deutschland spielt in der Gruppe A gegen Kanada, Nigeria und Frankreich. Im FIFA-WM-Stadion Frankfurt, dem mit knapp 50.000 Plätzen zweitgrößten Stadion des Turniers, werden zwei Vorrundenspiele (darunter ein Spiel der deutschen Mannschaft), ein Halbfinale sowie als Höhepunkt das Endspiel am 17. Juli ausgetragen.

"In Frankfurt ist das Hauptquartier der FIFA und das Hotel der Schiedsrichterinnen, weshalb unserem Standort eine besondere Bedeutung zukommt", so Tusk.

An den vier Spieltagen in Frankfurt sowie an den Tagen davor, an denen die Vorbesprechungen der jeweiligen Verantwortlichen (Mannschaftsbetreuer, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Ärzte) stattfinden, lässt sich der viel beschäftigte Orthopäde von einer Kollegin vertreten. "Operieren werde ich an diesen Tagen mit Sicherheit nicht."

Dr. Ingo Tusk wurde 1966 geboren. Er hat in Frankfurt am Main Medizin studiert und 1996 bei Professor Dieter Böhmer am Sportmedizinischen Institut promoviert.

 Im Fußball ist der kleine Unterschied ganz groß

Wird die Begeisterung für die Frauenfußball-WM so groß wie 2006 bei den Herren? Die Stadien sind voll: 700 000 Tickets wurden schon verkauft.

© Kugler / dpa

Inzwischen leitet der Orthopäde als Chefarzt die Sektion Sportorthopädie und Endoprothetik der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt am Main und ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) sowie Vorsitzender des Sportärzteverbands Hessen.

Als Mannschaftsarzt hat er sowohl Erfahrungen im Frauen- wie im Männerfußball erworben. Seit Jahren schon betreut er die Damen des 1. FFC Frankfurt, bei dem so berühmte Fußballerinnen wie Birgit Prinz und Nadine Angerer spielen, und berät bei den Männern die Kicker des Drittligisten Kickers Offenbach, wo er früher auch als Mannschaftsarzt tätig gewesen ist.

Klar gebe es Unterschiede im Männer- und Frauenfußball, so Tusk. "Bei Männern geht es um sehr viel Geld und um die Karriere. Männer sind daher empfindlicher, wenn es um ihre Gesundheit geht, während die Frauen wissen, dass Fußball kein Schach ist."

Die männlichen Kicker hätten den Vorteil, dass die Stadien selbst in der 3. Liga voll und die Zuschauer höchst emotional bei der Sache seien. Beim Frauenfußball glichen die Spieltage dagegen eher Familienfesten. "Frauen gehen auch anders miteinander um. Die haben alle noch einen Beruf oder stehen in der Ausbildung, einige studieren, da sind die Gespräche untereinander fruchtbarer."

Was die Verletzungsmuster anbelangt, gebe es dagegen kaum Unterschiede zu denen im Männerfußball. "Am häufigsten betroffen sind die Oberschenkelmuskulatur, die Knie und die Sprunggelenke", weiß der Orthopäde, der als Mannschaftsarzt des 1. FFC Frankfurt auch sieben aktuelle Nationalspielerinnen betreut.

Von der WM im eigenen Land erhofft sich Ingo Tusk einen deutlichen Schub für den Frauenfußball, der, so findet er, ästhetischer sei als der kampfbetonte Fußball der Männer: "Dass der Frauenfußball hierzulande an Popularität gewinnt, hoffe ich sehr. Wir werden uns jedenfalls von unserer besten Seite präsentieren."

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