Ärzte Zeitung, 14.07.2011

Frauen-WM: Fanmeile gleicht einem Familienfest

Dr. Michael Sroka ist leitender Notfallarzt auf der Frankfurter WM-Fanmeile. Seine Arbeit ist entspannter als bei der Herren-WM 2006. Der Grund: "Beim Frauen-Fußball ist es wie bei einem Familienfest."

Von Rebecca Beerheide

"Mehr Kinder und deutlich weniger Alkohol"

Die Frankfurter Fanmeile vor dem Museumsufer: Bei Spielen der Deutschen drängelten sich an der beliebten Jogging-Strecke bis zu 17 000 Menschen.

© Beerheide

FRANKFURT. An einem spielfreien Abend haben Jogger und Inline-Skater noch die Möglichkeit, sich durch die Menschenmenge am Frankfurter Main-Ufer zu schieben. Beim WM-Aus der deutschen Fußballerinnen am vergangenen Samstag waren allerdings 17.000 Fußball-Fans an die Fanmeile gekommen - und es gab auf den Wegen am Main vor den drei großen schwimmenden LED-Leinwänden kein Durchkommen mehr.

Keine andere Fanmeile hat so viel Zulauf. Die Veranstalter, die Frankfurter Tourismus und Congress GmbH, erwarteten 1,5 Millionen Besucher. Nach dem Aus der Deutschen werden es wohl nur rund 500.000 Menschen werden, die hier Fußball und das Rahmenprogramm sehen.

"Mehr Kinder und deutlich weniger Alkohol"

Dr. Michael Sroka, Notfallmediziner beim DRK

© Sroka

Einer der verantwortlichen Ärzte, der die Besucher der Fanmeile im Notfall betreut, ist Dr. Michael Sroka. Als Kreisverbundsarzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist der 39-Jährige für die medizinische Versorgung bei Großveranstaltungen zuständig, wenn das DRK vom Veranstalter angefragt wird. "Wir haben hier schon eine ganz andere Stimmung als wenn die Herren Fußball spielen", erzählt der ärztliche Leiter des DRK Frankfurt.

Saufgelage oder aufgeheizte Stimmung - Fehlanzeige

Bereits 2006 bei der Heim-WM der Männer betreute er mit einem DRK-Team die Fanmeile. "Beim Frauen-Fußball ist es wie bei einem Familienfest: Mehr Kinder, weniger Alkohol und deutlich weniger Emotionen." Saufgelage oder aufgeheizte Stimmung - Fehlanzeige.

Während der WM 2006 hatte das DRK-Team innerhalb von vier Wochen rund 2500 Patienten -  jetzt 2011 ist es "deutlich entspannter": In den ersten zwei WM-Wochen wurden nur rund 250 Patienten behandelt. Oft sind es Auswirkungen von Hitze, Erschöpfung, Insektenstichen, Kreislaufproblemen, Sonnenbrand oder Allergien.

Auf dem Gelände direkt am Main sind täglich ab 11 Uhr die ehrenamtlichen Helfer in einem Zwei-Schicht-System unterwegs. In Zweier-Teams laufen sie dann die Fanmeile ab, bis Dienstschluss gegen ein Uhr. Mit dabei haben sie einen Notfallrucksack mit AED sowie ein Funkgerät. Um 23 Uhr wird von den Gastronomen auf der Fanmeile das letzte Bier ausgeschenkt, dann sei meist auch Schluss mit der Fan-Party.

"Wenn man hier als DRK-Mitarbeiter läuft, wird man oft angesprochen", erzählt Klaus Gräf, Medizininformatikstudent und ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Deutschen Roten Kreuz. Zusammen mit seiner Kollegin Cäcilia Breuer läuft er an diesem spielfreien Tag zwischen 17.30 Uhr und ein Uhr über das Gelände.

Schnelle Versorgung

"Wir müssen auch bei den ehrenamtlichen Helfern auf Erschöpfung achten, dass sich keiner überfordert. Im Notfall könnte das fatal sein", erklärt der Notfallmediziner Sroka, der seit 20 Jahren im Rettungsdienst der Stadt Frankfurt tätig ist.

Hier auf der Fanmeile können bis zu 15 Patienten gleichzeitig versorgt werden. Die stationäre Unfallhilfsstelle, das "Clinomobil", ist wie eine kleine Arztpraxis ausgestattet. Zur Not könnte auch das Versorgungszelt, das für Pausenzeiten als Rückzugsraum der ehrenamtlichen DRK-Helfer genutzt wird, in ein Krankenlager umgebaut werden.

Ein Notarzteinsatzfahrzeug und Rettungswagen stehen um die Ecke, eine schnelle Versorgung kann auch in Panik-Situationen organisiert werden.

Gemeinsam mit seinem Kollegen und Stellvertreter Dr. Matthias Bollinger teilt Sroka sich die Schichten als leitender Arzt auf der Fanmeile, der jeweils andere ist bei Spielen in Frankfurt als Notarzt im WM-Stadion. Das Ärzte-Team des DRK Frankfurt ist durch viele Einsätze bei Sport-Großveranstaltungen wie der WM 2006, der Fanmeile 2010, dem Turnfest und dem jährlichen Ironman-Wettkampf zusammen gewachsen.

Am kommenden Sonntag wird Dr. Sroka beim Endspiel im Stadion als Notarzt Fans, Spielerinnen und Offizielle versorgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »