Ärzte Zeitung, 05.04.2011

Strahlung bestimmt nicht nur Japans Alltag

Die von dem havarierten Atomkraftwerk in Fukushima ausgehende radioaktive Belastung im Meer ruft auch Südkorea auf den Plan. Derweil wird in den Katastrophengebieten vor der Tsutsugamushi-Krankheit gewarnt.

Strahlung bestimmt nicht nur Japans Alltag

Geigerzähler im Einsatz: Auf diesem Fischmarkt in Ichinomiya in der ostjapanischen Präfektur Chiba liegt die Belastung unterhalb des Grenzwertes.

© dpa

TOKIO/SEOUL (maw/dpa). Geigerzähler gehören derzeit fast schon zur Standardausrüstung von Fisch- und Gemüseläden in ganz Japan. So können Kunden überprüfen, ob und gegebenenfalls wie stark die Waren verstrahlt sind.

Das Ausleiten radioaktiv belasteten Wassers aus dem havarierten Atomkraftwerk in Fukushima in den Pazifik besorgt indes nicht nur die Japaner selbst.

So hat jetzt Südkorea Japan um detaillierte Informationen über das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung des Meerwassers gebeten.

Südkorea habe eine entsprechende Anfrage über seine Botschaft in Tokio an die japanische Regierung gerichtet, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag vor Journalisten in Seoul.

Südkorea benötigt demnach genaue Daten, um die möglichen Gefahren für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt abschätzen zu können. Südkorea sei nicht im voraus über die Einleitung des verseuchten Wassers ins Meer informiert worden.

Aufgrund der Nähe zwischen beiden Ländern sei die Maßnahme ein "dringendes Problem" für Südkorea, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap Regierungsbeamte in Seoul.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco hatte am Montag nach japanischen Medienberichten damit begonnen, 11.500 Tonnen Abwasser in den pazifischen Ozean zu pumpen. Es sei nur leicht verstrahlt, habe das Unternehmen versichert. Die Aktion wurde am Dienstag fortgesetzt.

In den japanischen Katastrophengebieten müssen sich die Menschen indes vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen.

Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe verursachten japanischen Flussfiebers, auch Tsutsugamushi-Krankheit genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Dienstag unter Berufung auf das Institut berichtete, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens vom 11. März Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebt hatten.

Bei einem zwischen 60 und 70 Jahre alten Mann in der Unglückspräfektur Fukushima war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Der jetzt einsetzende Frühling sowie der Herbst sind die Jahreszeiten, in denen die Krankheit am häufigsten auftritt. Patienten, die von der Milbe gebissen wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag.

Ohne angemessene Behandlung, könnten sich Symptome verschlimmern, hieß es. Die Krankheit ist in Japan meldepflichtig.

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