Ärzte Zeitung, 22.02.2010

Olmypia: Leitender Teamarzt mit Faible für Biathlon

17 Ärzte sind für die medizinische Versorgung der deutschen Mannschaft in Vancouver verantwortlich. Leiter ist Dr. Bernd Wolfarth (44).

Leitender Teamarzt mit Faible für Biathlon

Viel beschäftigt: Teamarzt Dr. Bernd Wolfarth (l), hier mit dem deutschen Biathleten Michael Greis. © dpa

Von Pete Smith

VANCOUVER. Dreimal hat Dr. Bernd Wolfarth bereits als Arzt an Olympischen Spielen teilgenommen - bei den Winterspielen in Vancouver ist der Münchener Sportmediziner jetzt erstmals als leitender Teamarzt für die deutsche Delegation verantwortlich. Vorläufiger Höhepunkt einer Karriere im Deutschen Skiverband, die Wolfarth 1992 als betreuender Arzt für den Bereich Biathlon begann.

"Ein bisschen blutet mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich eventuell keinen oder nur den ein oder anderen Wettbewerb der Biathleten hautnah miterleben kann", gibt Bernd Wolfahrt zu. Als leitender Teamarzt hat der 44-Jährigen dafür nicht die nötige Zeit.

"Meine Hauptaufgabe vor Ort wird sein, unsere Ambulanz im Olympischen Dorf zu leiten", erklärte Wolfarth vor seiner Abreise nach Vancouver. "Hier werde ich für die Kollegen bei internistischen Problemen von Athleten zur Verfügung stehen. Daneben werden aber natürlich auch Betreuer und Besucher der deutschen Mannschaft im Olympischen Dorf, bei entsprechenden medizinischen Problemen versorgt. Des Weiteren werden noch einige kleinere Sportarten direkt durch mich zu betreuen sein, wie zum Beispiel Curling oder Ski-Freestyle, die keinen eigenen Arzt dabei haben."

17 Ärzte und 25 Physiotherapeuten gehören dem deutschen Olympia-Team an. Wolfarth und andere Experten vom Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) haben die Kollegen in Seminaren und Workshops auf die medizinischen und logistischen Voraussetzungen ihrer Arbeit in Vancouver vorbereitet.

Wolfarth oblag es auch, die medizinische Ambulanz, die im Olympischen Dorf für die Versorgung der deutschen Mannschaft bereit steht, auszustatten und aufzubauen. Nicht nur für die Zentrale in Vancouver, sondern auch für den zweiten Olympia-Schauplatz in Whistler wurden Medikamente und Geräte verpackt. Zur Grundausstattung gehören Geräte für Ultraschall-, EKG- und Lungenfunktionsuntersuchungen. "Großgeräte wie CT, Kernspintomografie oder Röntgen stehen in der Poliklinik des Olympischen Dorfes zur Verfügung und werden durch den Veranstalter gestellt", so Wolfarth. "Außerdem wird eine kleine Apotheke für die Versorgung der Athleten und Betreuer der deutschen Mannschaft vorgehalten."

Dr. Bernd Wolfarth wurde 1965 in Freiburg geboren. Dort hat er auch Medizin studiert und sein Staatsexamen 1992 mit der Note "sehr gut" bestanden. Seit 1992 ist er betreuender Arzt im Deutschen Skiverband für den Bereich Biathlon. 1993 folgte seine Promotion, die er mit "magna cum laude" absolvierte. 1996 übernahm der Breisgauer die Leitung des molekularbiologischen Labors der Abteilung Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der Uni Freiburg und avancierte 2000 zum Leitenden Arzt im Deutschen Skiverband für die Disziplin Biathlon. In dieser Funktion nahm er zwei Jahre später in Salt Lake City auch zum ersten Mal an Olympischen Spielen teil. Seit 2003 ist Wolfarth Facharzt für Innere Medizin.

Im selben Jahr wechselte er von Freiburg nach München, wo er als Leitender Oberarzt der Abteilung Präventive und Rehabilitative Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar begann. Seit 2004 ist er betreuender Internist für die Deutsche Ski-Alpin-Nationalmannschaft. Im Februar 2006 versorgte Wolfarth die Biathleten bei den Olympischen Spielen von Turin. Im August 2008 beauftragte der DOSB den Olympiaarzt bei den Sommerspielen in Peking mit der zentralen Betreuung der gesamten deutschen Olympia-Mannschaft. Seit 1. Juli 2009 schließlich leitet Wolfarth am Institut für Angewandte Trainingswissenschaften der Universität Leipzig den Fachbereich Sportmedizin.

Erstmals muss sich der Olympiaarzt einem sehr speziellen Thema widmen - nämlich der Schweinegrippe. Hier, so Wolfarth, sei die Verunsicherung nach wie vor groß. Dabei vertraue er nicht allein auf die Informationen des IOC und des Organisationskomitees VANOC, sondern stehe auch mit den klinischen Virologen des Münchener Uniklinikums rechts der Isar in engem Kontakt. Wolfarth: "Ich persönlich ordne die Spitzensportler schon einer gewissen Risikogruppe zu, weil sie in der Öffentlichkeit relativ häufig in Kontakt mit vielen Personen treten."

Die Ärzte des deutschen Teams

17 Ärzte versorgen die deutschen Olympiateilnehmer in Vancouver.

Leit. Mannschaftsarzt: Dr. Bernd Wolfahrt

Rodeln: Dr. Jochen Wagner

Shorttrack: Dr. Mario Botessi

Biathlon: Dr. Klaus- Jürgen Marquardt

Bob: Dr. Martin Nieswand und Dr. Christian Schneider

Eishockey: Dr. Andreas Gröger

Eiskunstlaufen: Dr. Sven-Erik AUTHORsen

Eisschnelllauf: Dr. Gerald Lutz

Nordische Kombination: Dr. Stefan Pecher

Skeleton: Dr. Lutz Kistenmacher

Ski Alpin: Dr. Ernst-Otto Münch und Dr. Johannes Scherr

Langlauf: Dr. Andreas Kindt

Skisprung: Dr. Mark Dorfmüller

Snowboard: Dr. Gerrit Sommer und Dr. Heinz Kusche
(Smi)

Weitere Berichte zu den olympischen Winterspielen in Kanada und den aktuellen Medaillenspiegel finden Sie auf unserer Sonderseite Olympia 2010

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