Ärzte Zeitung, 26.02.2010

Keine Halfpipe weit und breit, kein Erfolg

Freestyle, Snowboard, Shorttrack - Wettbewerbe in Vancouver, bei denen die Deutschen alles andere als überzeugen können. In manchen Sportarten ist völlig der Anschluss verloren worden. Kein Wunder - in Deutschland gibt's zum Beispiel nicht eine einzige Halfpipe.

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Spektakuläre Sprünge mit dem Snowboard - deutsche Sportler waren in dieser Disziplin chancenlos. Bisher gibt‘s in Deutschland keine Halfpipe. © dpa

VANCOUVER (dpa). Für die mächtige Wintersportnation Deutschland gibt es bei Olympischen Winterspielen noch viel Brachland zu beackern. In den neueren Wettbewerben gehören die Asse des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) fast flächendeckend zur Dritten Welt.

Um den immer härteren Kampf um die olympische Winterspiele- Vormacht mit den USA, Norwegen, der Schweiz, Österreich und vielleicht auch Kanada und Südkorea bestehen zu können, muss der DOSB das brachliegende Potenzial nutzen. Schließlich geht es um 20 Wettbewerbe - je sechs im Freestyle und Snowboard sowie acht im Shorttrack - summa summarum 60 Medaillen.

In den neuen, jungen, modernen Wintersport-Disziplinen gibt es strukturelle Probleme, Förderdefizite - aber auch Nachwuchssorgen. So gibt es in Deutschland keine einzige Halfpipe für Snowboarder. "Das hat dazu geführt, dass wir sämtlichen Anschluss in dieser Sportart verloren haben", erklärte Timm Stade, Sportdirektor des Deutschen Snowboardverbandes. "Wenn wir die vier Rodelbahnen hierzulande für die nächsten fünf Jahre zusperren, dann möchte ich mal sehen, was passieren würde."

Seit fünf Jahren kämpft sein Verband um eine Halfpipe. "Das ist ein Trauerspiel. Es liegt nicht an der Förderung des Bundesinnenministeriums, die stehen seit Jahren auf unserer Seite", sagte er. Es scheitere an der Standort-Frage. "Wenn wir das Problem nicht lösen, stirbt die Sportart", befürchtet Stade. In den USA leiste sich jedes vernünftige Skigebiet eine Halfpipe.

Für Boardercross gibt es seit eineinhalb Jahren ein Leistungszentrum in Oberstdorf. Aber: Es gibt keinen einzigen Nachwuchstrainer für Cross und Snowboard. "Unsere Athleten werden genauso gefördert wie andere Wintersportler", sagte Stade. Dazu gehören auch elf Stellen bei der Bundeswehr und -polizei. Trotz der Olympia-Premiere am Cypress Mountain steckt Ski Cross in Deutschland noch in den Kinderschuhen. "Es braucht Zeit, bis dieser Sport etabliert ist", meinte Helmut Herdt, Sportlicher Leiter der Ski Crosser. In Deutschland gibt es bisher nur etwa 150 Ski Crosser, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen.

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