Ärzte Zeitung online, 30.01.2014

Medizintourismus

Na sdarowje!

Der Medizintourismus boomt weiterhin. Immer mehr Patienten aus dem Ausland lassen sich von Ärzten in Deutschland behandeln. Einnahmen von über einer Milliarde Euro bringen sie nach neuesten Erkenntnissen dem deutschen Gesundheitssystem. Quellmarkt Nummer eins ist Russland.

Von Ursula Armstrong

Na sdarowje!

Aus aller Welt zieht Deutschland Medizintouristen an.

© Marcel Schauer/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Medizintourismus ist nach wie vor ein Renner und nimmt sogar zu: Etwa 224.000 Patienten aus dem Ausland ließen sich im Jahr 2012 in Deutschland behandeln. Das entspricht einem Plus von 8,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

"Tendenz steigend", so Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin, der jetzt die neuen Zahlen zum Medizintourismus vorgelegt hat. Der durchschnittliche Anteil ausländischer Patienten in deutschen Krankenhäusern liegt bei 0,5 Prozent.

Damit bleibe der Bereich zwar weiterhin nur ein Nischenmarkt, kommentierte der Forscher. Aber ein deutlich lukrativer: Mittlerweile spüle der Medizintourismus fast 1,1 Milliarden Euro in das deutsche Gesundheitssystem.

Die deutsche Medizin genießt im Ausland einen sehr guten Ruf. Vor allem in Russland. Das Land liegt auf Platz 1 der Liste der Auslandsquellmärkte, vor den Niederlanden und Frankreich. Allein etwa 8300 stationäre und 12.400 ambulante Auslandspatienten, die 2012 nach Deutschland kamen, stammen aus Russland. Auch Patienten aus der Ukraine und Kasachstan lassen sich gerne von deutschen Ärzten behandeln.

Bis noch vor wenigen Jahren kamen die Nicht-EU-Auslandspatienten vor allem aus dem arabischen Raum. Das hat sich inzwischen geändert. "Es kommen bereits jetzt doppelt so viele Patienten aus den GUS-Staaten und dem Baltikum wie aus dem Mittleren Osten", so Juszczak.

"Innerhalb weniger Jahre haben sich die Patientenzahlen versiebenfacht, und aufgrund der Einwohnerzahlen sowie der wirtschaftlichen Entwicklung wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen."

Jede zehnte Klinik spezialisiert sich auf Medizintouristen

Etwa jede zehnte deutsche Klinik widmet sich explizit diesem Geschäftsbereich und dies mit zunehmendem Erfolg: Laut einer aktuellen Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg verzeichneten 88 Prozent dieser Einrichtungen steigende Patientenzahlen.

Da die Behandlungsanfragen aus dem Ausland stetig zunehmen, inzwischen durchschnittlich 140 pro Monat, haben die meisten der Kliniken International Offices eingerichtet, die beispielsweise die Anfragen bearbeiten, die Patienten betreuen, Dolmetscher organisieren und die Kostenabrechnung erstellen.

Auch der ambulante Sektor hat diesen lukrativen Geschäftsbereich entdeckt. Allerdings gebe es dazu keine genauen Zahlen, weil diese Daten nicht erhoben würden, sagte der Forscher im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Es gibt aber gerade in den großen Städten wie Köln oder Düsseldorf genügend Praxen, die Auslandspatienten behandeln."

Die Hochschule bereitet gerade spezielle Kompaktkurse für niedergelassene Ärzte vor. In zwei Stunden sollen Interessenten informiert werden über die Besonderheiten bestimmter Patientengruppen, erklärt der Medizintourismus-Forscher.

Zum Beispiel: Wie geht man mit Arabern um? Welche Erwartungen haben Russen? Wie bereitet man die Praxis auf Auslandspatienten vor? Die Kurse sollen so angelegt werden, dass Ärzte, aber auch Apotheker oder Optiker, die Chance haben, sich nach der Arbeit über den Bereich des Medizintourismus zu informieren.

Um Kliniken und andere Interessenten, die vor allem Patienten aus Russland betreuen, zu unterstützen, findet außerdem am 22. Mai das 3. Deutsch-Russische Gesundheitsforum im russischen Generalkonsulat in Bonn statt, zu dem viele Fachbesucher aus allen Teilen Russlands erwartet werden.

[30.01.2014, 19:38:32]
Dr. Horst Grünwoldt 
Auslands-Patienten
Es spricht für die Qualität unserer Gesundheits-Versorgung und ihrer Einrichtungen, wenn eine größere Zahl von wohlhabenden Patienten aus anderen Ländern sich unseren Ärzten und dem Pflegepersonal kostenpflichtig anvertrauen, und sich privat "liqidieren" lassen.
Allerdings dürfte die Zahl von ausländischen Patienten, die medizinische Leistungen kostenlos als zuwandernde Asylanten und Flüchtlinge zu Lasten der einheimischen Steuerzahler und Krankenversicherten in Anspruch nehmen, noch weitaus größer sein. Schließlich hat sich von Afrika bis Indien längst massenhaft herumgesprochen, daß es in Deutschland für bedürftige Zuwanderer nicht nur kostenlos housing, clothing, nutrition, education gibt, sondern auch health care.
Seit geraumer Zeit ist bekannt, daß diese verlockenden Angebote auch schon eine Art "Medizin-Tourismus" kreiert haben, wegen der außergewöhnlichen Attraktiviät unseres Sozialsystems.
Die Ärzteschaft berührt das natürlich nur wenig, weil ja die Armen der Welt auch die Wartezimmer füllen und ggf. noch die Krankenhausbetten.
Die gebeutelten Gemeindekassen müssen auf jeden Fall die Untersuchungs- und Behandlungs-Kosten mit übernehmen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Tierarzt i.R. und E-Helfer), Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »