Ärzte Zeitung, 20.04.2016

Kuba

El Dorado der US-Patienten

Gut ausgebildete Ärzte, kurze Wartezeiten sowie günstige Preise für Op und Reha - mit diesem Mix wollen kubanische Kliniken und Gesundheitszentren am Medizintourismus partizipieren. Im Fokus stehen vor allem Patienten aus den USA.

Von Matthias Wallenfels

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Klinikärzte in Kuba warten auf den absehbaren Ansturm von Patienten aus dem Ausland.

© niyazz/fotolia.com

HAVANNA. Mit seiner historischen Visite in Havanna hat Präsident Barack Obama - er besuchte als erstes US-amerikanisches Staatsoberhaupt nach der Revolution in Kuba und dem anschließenden Verhängen des Handelsembargos im Jahre 1961 den sozialistischen Nachbarn - ein Zeichen gesetzt. Kuba gewinnt nach dieser Geste weltweit an Hoffähigkeit.

Hoffähig sind auch die Kliniken und Ärzte im Land - und zwar speziell für Medizintouristen aus dem Ausland. Denn diese haben - im Gegensatz zu den einheimischen Patienten, denen die Krankenhäuser für einen Eingriff in der Regel zugewiesen werden - die Wahl zwischen verschiedenen Institutionen.

Exklusivvertrag geschlossen

Kuba hat immenses Potenzial in puncto Medizintourismus, aber auch viele Konkurrenten, wie Mexiko oder Kolumbien, die ebenfalls mit günstigen Preisen für Eingriffe werben - auch für elektive wie zum Beispiel die Brustaugmentation.

Unklar ist, wie viele Makler im Buhlen um Medizintouristen für Kuba weltweit mitspielen werden - oder gar können.

Denn das kanadische Unternehmen Travelucion hat sich nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr vertraglich die Exklusivrechte zur internationalen Kommerzialisierung und Vermarktung medizinischer Eingriffe in dem Karibikstaat gesichert. Und zwar solle dies über die mehr als 400 kubabezogenen Websites geschehen, die die Firma betreibt. Hauptkanal soll die Website CubanHealth.com sein.

Aus Sicht von Travelucion mache die Kombination aus geringen Behandlungskosten und exzellenter postoperativer Rehabilitationszentren Kuba zu einer idealen Destination für Medizintouristen.

Großes Potenzial im Medizintourismus

Das Unternehmen bedient mit seinen Offerten einen globalen Trend. Denn in der bereits 2011 für die OECD erstellten wissenschaftlichen Studie "Medical Tourism: Treatments, Markets and Health System Implications" beobachten die Autoren, dass es beim Medizintourismus einen eindeutigen Fokus auf das Segment gibt, in dem Patienten aus reicheren und entwickelteren Ländern in weniger entwickelte Länder reisen, um sich vor allem für einen wesentlichen Kostenvorteil im Vergleich zum Heimatland einem medizinischen Eingriff zu unterziehen.

Das könnte auf viele US-Amerikaner zutreffen, die trotz Obamacare weiter ohne Krankenversicherungsschutz dastehen.

Als Beispiele für die Kostenersparnis - exklusive Hotel- und Flugkosten - beziffern die Autoren für 2011 mehr als 100.000 US-Dollar. So habe eine koronare Bypass-Op (CABG) in den USA damals im Schnitt 113.000 Dollar gekostet, in Thailand 13.000 und in Mexiko gar nur 3250 (wir berichteten).

Der Marktforscher Transparency Market Research geht für den weltweiten Medizintourismus von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 17,9 Prozent im Zeitraum 2013 bis 2019 aus - mit einem geschätzten Gesamtumsatz von dann 32,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019.

Nach Schätzungen der Medical Tourism Association, nach eigenen Angaben die erste und einzige internationale Non-Profit Handelsvereinigung für den Medizintourismus, begaben sich allein im Jahr 2012 rund 1,6 Million US-Amerikaner für medizinische Eingriffe auf Reisen ins Ausland.

Ein Blick auf die Website des Havana Hospital, das nach eigener Aussage das größte und angesehenste Lehrkrankenhaus auf Kuba ist, zeigt, dass bei Patienten die Kosten im Fokus zu stehen scheinen.

Spezielle Gebäudeflügel für die Medizintourist

So wird gleich auf der Startseite darauf hingewiesen, dass Op am offenen Herzen zwischen 9000 und 15.000 US-Dollar kosten - und nach Anfrage nach nur drei Tagen Wartezeit durchgeführt werden können. Die Implantation künstlicher Kniegelenke schlage nur mit 6.000 US-Dollar zu Buche.

Wie Travelucion mitteilt, bewege sich die Preisspanne für die 252 verschiedenen medizinischen Positionen auf Kuba zwischen einigen Hundert und maximal rund 50.000 US-Dollar. Wie Travelucion betont, hielten die teilnehmenden Kliniken und Gesundheitszentren spezielle Gebäudeflügel für die Medizintouristen aus dem Ausland vor.

 Die Patienten würden dabei neueste Medizintechnik vorfinden, moderne Op-Techniken würden angewendet. Wie der Vertrag vorsehe, bekomme das Unternehmen zehn Prozent Provision von allen über seine Websites vermittelten medizinischen Eingriffen und Behandlungen.

Zusätzliche Einnahmen für Kubaner

Einen positiven Nebeneffekt könnte der wachsende Medizintourismus auch für die kubanische Wirtschaft haben. Durch Anschlussurlaube an medizinische Eingriffe oder Rehabilitationsaufenthalte von Medizintouristen könnte viel zusätzliches Geld auf den Markt gespült werden.

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