Ärzte Zeitung, 08.11.2006

Auf Rembrandts Spuren durch Amsterdam

Für die einen ist Amsterdam der Ort idyllischer Grachten, städtebaulicher Besonderheiten und weltberühmter Museen, für die anderen die Hauptstadt des Sexgewerbes und des freizügigen Umgangs mit Drogen. Kaum eine andere Stadt vereint so vielfältige Facetten wie die Hauptstadt der Niederlande.

Hier hat der Meister der Hell-Dunkel-Malerei gearbeitet: im frisch rekonstruierten Rembrandthuis. Foto: imago

Amsterdam mit seinem typischen Seeklima lohnt zu jeder Jahreszeit einen Besuch - und im Rembrandt-Jahr 2006 ganz besonders.

Ob mit Flugzeug, Bahn oder Auto, viele Wege führen in die außer Venedig wasserreichste Stadt Europas - Amsterdam ist durchzogen von Kanälen, den Grachten. Einmal angekommen, gibt es interessante Möglichkeiten, die trotz ihrer historischen Größe und ihres internationalen Flairs recht beschaulich gebliebene Stadt zu erkunden.

Für Neuankömmlinge besonders reizvoll ist eine Rundfahrt mit dem Grachtenboot. Sie lohnt auch noch zur Herbst- und Winterzeit - wenn auch nicht gerade bei Regen oder Nebel. An mehreren Stellen im Zentrum entlang der Grachten finden sich Anlegestellen. Die Motorboote führen durch das Labyrinth von Kanälen und Häfen, fahren immer wieder unter Brückenbögen hindurch und gewähren Ausblicke auf viel Typisches und Besonderes der Grachtenstadt.

Da ziehen idyllische Hausboote in der Brouwersgracht an einem vorüber. Sie künden vom ausgeprägten Individualismus der Amsterdamer. Da passiert man herrliche Fassaden und kunstvolle Giebel in der vornehmen Herengracht. Sie bezeugen den Glanz des einst bedeutendsten Handelszentrums der Welt. Vorbei geht die Fahrt auch an städtebaulichen Kuriositäten wie dem angeblich schmalsten Haus der Welt, an mancherlei Kirchen wie der populären Westerkerk oder etwa am renovierten Anne Frank Huis. Hier im Hinterhaus der Prinsengracht 263, vor dem sich oft eine lange Schlange wartender Besucher bildet, hatte die im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordete Jüdin ihr weltberühmtes Tagebuch verfaßt.

Auf einer Grachtenrundfahrt erlebt man Amsterdam am besten. Sogar am Hauptbahnhof geht die Fahrt vorbei. Foto: ddp

Die Grachtenrundfahrt gilt als touristisches Pflichtprogramm. Sie läßt sich in vielfältiger Weise variieren. Wer die besondere Atmosphäre Amsterdams in seinem eigenen Tempo entdecken will, ist mit einem Tretboot gut beraten. Wer es gern stimmungsvoll mag, kann bei der Candle-Light-Tour dinierend durch die beleuchtete Innenstadt gleiten. Steht man mehr auf Kultur, kann man sich im Museumsboot zu Museen und anderen kulturellen Sehenswürdigkeiten schippern lassen.

Vielleicht will man sich aber auch erst mal einzelne Viertel genauer ansehen: Die Stadt an der Amstel ist überschaubar genug, um sie sich ideal zu Fuß oder per gemietetem Fahrrad und eventuell unterstützt durch den öffentlichen Nahverkehr, zu erschließen. Nur vom Autofahren im Stadtzentrum ist dringend abzuraten, allein schon aufgrund der immensen Parkgebühren.

Es lohnt also, sich Zeit zu nehmen, umherzuschlendern und sich einmal die kleinen Alltagsszenen in charakteristischen Stadtteilen zu Gemüte zu führen. Zum Beispiel westlich der Stadtmitte im ehemaligen Arme-Leute-Viertel Jordaan mit seinen geselligen Eckkneipen und Tante-Emma-Läden. Hier kann man die Geselligkeitsformen alteingesessener Amsterdamer, aber auch das Treiben der Alternativkultur studieren.

Oder auch im multikulturellen Szeneviertel De Pijp südlich des Zentrums, wo man auf dem großen Gemischtwarenmarkt in der Albert Cuypstraat abwechslungsreiche Stunden erleben kann. Für danach empfiehlt sich hier ein kleiner Abstecher in den schönen Sarphatipark - übrigens benannt nach einem jüdischen Arzt.

Zudem ist De Pijp auch ein idealer Ort für einen Streifzug durch die facettenreiche kulinarische Welt verschiedener Nationalitäten. Und natürlich sind auch unweit des Bahnhofs, im Vergnügungsviertel Walletjes, wo bereits seit dem 14. Jahrhundert das "älteste Gewerbe" offiziell erlaubt wurde, einschlägige Milieustudien möglich. Es ist wohl bezeichnend für den Laissez-faire-Stil Amsterdams, daß die Oude Kerk, Amsterdams älteste Kirche, inmitten des berühmt-berüchtigten Rotlichviertels steht.

Amsterdam ist eben eine Stadt der kulturellen Kontraste. Selbst keine Millionenstadt, zieht die ehemalige See- und Kolonialmacht alljährlich aber Millionen Besucher an. 2006 könnte ein besonders gutes Jahr werden - Rembrandt van Rijn, vor 400 Jahren im nahe gelegenen Leiden geboren, in Amsterdam zu Ruhm und Ehre gekommen und dort 1669 gestorben, könnte dafür sorgen.

Im Rembrandt-Jahr begegnet einem in Amsterdam der große Maler auf Schritt und Tritt. Mag man auch noch so sehr über manche Auswüchse des Rummels vom Rembrandt-Bier über das Rembrandt-Musical bis zum Rembrandt-Regenschirm die Nase rümpfen - ein ausgedehnter Spaziergang auf den Spuren des Meisters ist absolut empfehlenswert.

Vom Rembrandt Plein bis zur Westerkerk, wo Rembrandt bestattet wurde, kann man eintauchen in die Welt des "Goldenen Zeitalters" der Niederlande im 17. Jahrhundert und die Orte erleben, an denen der Virtuose der Hell-Dunkel-Malerei gewohnt, gearbeitet und gelebt hat. So konnte das schicke Rembrandthuis, in dem der Künstler etwa 20 Jahre lang gewohnt hat, samt Möbeln und Bildern rekonstruiert werden.

Doch was tun, wenn es regnet - was in Amsterdam leider gar nicht so selten ist? Kein Problem, Amsterdams Museen sind allein eine Reise wert. Hier gibt es nicht nur museale Besonderheiten wie ein Haschisch- und ein Foltermuseum, sondern man kann hier auch einige der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte bestaunen: im Van- Gogh Museum etwa dessen "Krähen überm Kornfeld" und im Rijksmuseum natürlich Rembrandts "Nachtwache".

Amsterdam ist eben zu jeder Zeit und in jedem Wetter ein lohnendes Besuchsziel.

Klaus Brath

Reisetips

Amsterdam ist die Hauptstadt der Niederlande und hat etwa 750 000 Einwohner. Aufgrund ihrer vielen Grachten und Brücken sowie der architektonischen Besonderheiten gilt die Stadt als "Venedig des Nordens". Sie ist eine der wasserreichsten Städte Europas. Als kosmopolitischer Schmelztiegel zieht Amsterdam traditionell Auswanderer und Nonkonformisten an. Das wichtigste Verkehrsmittel in Amsterdam ist das Fahrrad.

Anreise:

Der internationale Flughafen Schiphol wird täglich von deutschen Airports angeflogen. Täglich verkehren auch mehrere internationale Züge wie ICE und EC zwischen Deutschland und dem Amsterdamer Hauptbahnhof. Über das deutsche Autobahnnetz ist Amsterdam ebenfalls gut zu erreichen.

Rembrandt-Jahr 2006

Rembrandt Harmenszoon van Rijn wurde vor 400 Jahren geboren. Zu diesem Jubiläum finden in diesem Jahr in Amsterdam Ausstellungen und andere Events statt. Über Veranstaltungen und auch über Produkte zum 400. Geburtstag des Malers gibt es Informationen auf der Website www.rembrandt400.com/

Informationen

Niederländisches Büro für Tourismus
Postfach 27 05 80
50511 Köln
Telefon: 018 05 / 34 33 22
Internet: www.amsterdam.info/de/
und www.visitamsterdam.nl/

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