Ärzte Zeitung, 24.03.2010

Von Santa Maria a Monte hinein in die Stadt der Mäuse

Touristische Exkursionen im Nordwesten der Toskana: Hier gibt es zwar keine schiefen Türme, keine Medici-Kapellen und keine Souvenirgeschäfte, aber unendlich viel zu entdecken.

Von Rainer Heubeck

Von Santa Maria a Monte hinein in die Stadt der Mäuse

Kleinod in der Toskana: San Miniato al Monte in der Nähe von Florenz. © imagebroker / imago

Wer eine Toskana-Reise plant, denkt dabei meist an traditionsreiche und altehrwürdige Städte wie Florenz, Pisa, Siena, Lucca und San Gimignano. Wenn es nach dem Consorzio Turistico Colline Valdarno geht, einem Zusammenschluss von Touristikanbietern und Gemeindeverwaltungen in der sanften Hügellandschaft des Arnotals, wird sich dies bald ändern.

Neben geschichtsträchtigen, aber touristisch überlaufenen Kunststätten, so der Wunsch der Mitglieder des Konsortiums, sollen Toskana-Urlauber künftig auch kleinere und bislang noch unbekannte Toskana-Städtchen besuchen. Beispielsweise Santa Maria a Monte, Montopoli oder San Miniato. Diese Städte haben keinen schiefen Turm, keine Medici-Kapelle und keine Opera del Duomo zu bieten, doch ihre Schönheiten und Attraktionen brauchen sich dennoch nicht zu verstecken. Der Turm in San Miniato biegt sich zwar nicht zur Seite, sondern ragt geradeaus in den Himmel. Geschichtsträchtig ist er dennoch: Der "Torre" auf dem Hügel über der Stadt wurde im 13. Jahrhundert auf Anweisung des Stauferkönigs Friedrichs II. (1194 bis 1250 n. Chr.) erbaut. 1944 wurde er zerstört und 1958 originalgetreu wieder aufgebaut.

Ein Pilgerweg zwischen Frankreich und Rom

Im 13. Jahrhundert thronte über der Stadt eine gewaltige Burganlage, von der aus die Handels- und Pilgerwege zwischen Frankreich und Rom und der Verbindungsweg zwischen Pisa und Florenz kontrolliert wurden.

San Miniato ist nur eines der fünf Mitglieder des Tourismus-Konsortiums, die ihre Attraktionen nun aktiver als bisher vermarkten wollen. Dazu gehören viele Villen und Landgüter, die auch stilvolle Übernachtungsmöglichkeiten inmitten der Natur anbieten.

Jedes Jahr ein Bratkartoffelfest

Eine weitere, noch weitgehend unentdeckte Perle ist die Kleinstadt Montopoli. Hier trifft der Besucher auf eine toskanische Stadt, die noch nicht von Bustourismus und Souvenirgeschäften geprägt ist. Der Name der 10 000-Einwohner-Stadt bedeutet übersetzt etwa so viel wie "Stadt der Mäuse". Grund: "In unserer Stadt gibt seit jeher viele Keller, und da halten sich natürlich auch Mäuse auf", so die Leiterin des örtlichen Tourismusbüros.

Viele Kellergewölbe unterhalb der mittelalterlich geprägten Stadt finden sich auch in Santa Maria a Monte. Das ist sehr praktisch für die Bewohner des Ortes, dessen Häuser drei Ringe bilden, so dass die Stadt von oben wie eine Schnecke aussieht. Denn die wichtigste regionale Spezialität in Santa Maria a Monte ist nicht der Trüffel oder das Olivenöl, sondern eine besondere Kartoffelsorte, die "Tosca". Ihr zu Ehren wird alljährlich ein mehrtägiges Bratkartoffelfest (Sagra della Patata Fritta) veranstaltet, zu dem die Besucher aus nah und fern heranströmen.

Doch Santa Maria a Monte hat nicht nur Wein- und Kartoffelkeller zu bieten, sondern auch mehrere Türme. Wer von hoch oben über die Landschaft des Arnotals blickt, dem wird klar, warum der Tourismus hier bislang noch ein Nischendasein fristet: Anstelle einer unberührten Flusslandschaft erblickt der Betrachter Industriegebiete und Fabriken. Das obere Arnotal ist aber eines der zwei bedeutendsten Zentren der italienischen Lederindustrie.

Die meisten Gerbereien finden sich in den Städten St. Croce sul Arno und Ponte a Egola. Touristisch wären Gerbereien und Lederfabriken eigentlich störend, gäbe es nicht die Möglichkeit des Fabrikverkaufs.

Wer Geldbörsen aus feinem Kalbsleder oder zum Beispiel Schlangenlederhandtäschchen sucht, kann viele Produkte zu Preisen erstehen, die dreißig bis vierzig Prozent unter den Verkaufspreisen in Florenz liegen.

Ebenso wie Santa Croce sull‘ Arno schmiegt sich auch die Ortschaft Castelfrano di Sotto an das nördliche Ufer des Arno, ein quadratisch angelegter Ort, in dem alljährlich ein Fest und ein mittelalterlicher Wettkampf die Menschen von überall her anziehen.

www.pisaturismo.it

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