Ärzte Zeitung, 30.11.2016

Gefahr auf dem Berg

Was Freie Radikale mit der Höhenkrankheit zu tun haben

Neue Erkenntnis zur Höhenkrankheit: Freie Radikale scheinen eine wichtige Rolle zu spielen – und das schon nach kurzer Zeit.

BOZEN. Wegen der geringeren Sauerstoffaufnahme erleidet der menschliche Körper in großen Höhen oxidativen Stress: Es bilden sich "freie Radikale". Mit welcher Rate die freien Radikale bei Höhenexposition zunehmen, haben jetzt Wissenschaftler in einer Studie von EURAC Research an 16 Probanden untersucht.

Die Teilnehmer wurden im Hubschrauber auf den 3830 Meter hohen Ortler gebracht und blieben dort 72 Stunden, teilt die Europäische Akademie Bozen mit.

Zellschäden sind nach 24 Stunden am größten

Obwohl die Studienteilnehmer keine körperliche Anstrengung unternahmen, zeigten Blut- und Urinanalysen schon nach neun Stunden eine deutliche Zunahme freier Radikale (Sci. Rep. 2016; 6, 32426). Ihren Höhepunkt erreichte die Kurve nach 24 Stunden auf dem Gipfel, dann gingen die Werte wieder zurück.

Entsprechend waren auch die Zellschäden nach 24 Stunden Höhenexposition am größten. Auf Basis dieser Erkenntnis können Strategien entwickelt werden, um etwa Höhenbergsteiger oder Athleten bei Bergläufen vor Gesundheitsschäden zu schützen, heißt es in der Mitteilung.

Ob es einen Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und dem Verlauf der Höhenkrankheit gibt, untersuchten die Forscher anhand von Ultraschallaufnahmen des Sehnervs vor dem Abflug und während des Gipfelaufenthalts.

Kein Zusammenhang zwischen Vergrößerung des Sehnervs und oxidativem Stress

"Es konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen vergrößertem Durchmesser des Sehnervs und oxidativem Stress festgestellt werden", wird der Höhenmediziner Giacomo Strapazzon von EURAC Research zitiert.

Strapazzon weiter: "Wir werden aber weiter untersuchen, welche Möglichkeiten Ultraschallaufnahmen des Sehnervs, die auch unter schwierigen Bedingungen durchführbar sind, für die Diagnostik und Therapie der Höhenkrankheit bergen. Der Durchmesser des Sehnervs scheint in der Höhe wegen des steigenden Hirndrucks zuzunehmen."

An der Studie beteiligte sich der CNR (Consiglio Nazionale delle Ricerche) in Mailand, der über hochentwickelte Instrumente für diese Art Messungen verfügt; außerdem arbeiteten die Forscher eng mit Neurologen des Bozner Krankenhauses zusammen. (eb)

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