Ärzte Zeitung, 07.07.2004

In den USA ist Beulenpest nichts Ungewöhnliches

Natürliche Pestherde von Montana bis Texas / 60 Menschen in den letzten 50 Jahren an Pest gestorben

DÜSSELDORF (ug). Pest-Ausbrüche werden derzeit aus den USA gemeldet. So schrecklich das klingt, es ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Denn im Westen und Südwesten des Landes gibt es Natur-Pestherde.

Hände weg! Freilebende Präriehunde, sind in den USA die Haupt-Pestüberträger. Foto: dpa

In den letzen 50 Jahren haben sich die Pestherde sogar ausgebreitet. In den 40er Jahren hätten sie sich auf die Staaten Arizona, New Mexico und Kalifornien beschränkt, so das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf in einer früheren Übersichtsarbeit über die Pest in den USA.

Heute erstreckten sie sich von Montana im Norden bis Texas im Süden. Auch Gebiete in Kanada und Mexiko sind betroffen. Die aktuellen Ausbrüche sind im Nordwesten von Texas und bei Briggsdale in Colorado, meldet der Reise-Gesundheits-Service TravelMED® online (wir berichteten).

In den letzten 50 Jahren haben sich in den USA etwa 400 Menschen mit Pesterregern infiziert, etwa 60 Patienten sind gestorben. Das entspricht einer Letalität von 15 Prozent - damit ist sie höher als in manchen Entwicklungsländern, in denen es auch natürliche Pestherde gibt.

Bei der Pest in den USA ist einiges anders als sonst. Weltweit gelten Flöhe von Ratten als Hauptüberträger der Pestbakterien. In den USA sind es aber meist andere Nagetiere und Kleinsäuger, bei man sich infizieren kann, vor allem Präriehunde, wie auch bei den aktuellen Ausbrüchen in Texas und Colorado. Die hundeartig bellenden Nagetiere können an der Infektion sterben, dienen den Bakterien aber auch als Reservoir.

Auch Katzen können Pest-Yersinien ausscheiden, auch wenn sie selbst nicht krank werden. Seit 1977 sind mindestens 15 Pest-Infektionen durch Katzen übertragen worden. Und das meist durch Bisse oder Kratzer. Denn die Erreger werden nicht nur durch die Flöhe übertragen, sondern auch durch direkten Kontakt mit den Tieren oder auch aerogen durch Tröpfcheninfektion.

Zur reisemedizinischen Beratung gehört, USA-Reisende, die in Risikogebieten etwa wandern wollen, vor Kontakt mit freilebenden Präriehunden und anderen Nagetieren zu warnen. Außerdem sollte man empfehlen, bei Krankheitszeichen nach Aufenthalten im Infektionsgebiet sofort einen Arzt aufzusuchen. Ängste sollte man aber nehmen. Denn die Beulenpest hat viel von ihrem Schrecken verloren. Pestkranke können gut mit Antibiotika behandelt werden. Mittel der Wahl sind Tetrazykline.

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